Maerchenreise 04

Erst die buerokratische Odyssee durch Botschaften fuer allfaellige Visa - dann der praktische Test: Mit dem Auto 2 Monate lang von Oesterreich ins Donnerdrachenreich Bhutan. Unvorstellbare Eindruecke, komische Zwischenfaelle und Gastfreundlichkeit allueberall...

Tuesday, May 02, 2006

Bhutan - angekommen

april - mai 04

Kuzumtsangpo aus bhutan,

nach dem genialen bergblick am tiger hill begleitete uns der guide aus darjeeling, der auch bei den gruppen im herbst dabei sein wird, nach gangtok, der hauptstadt sikkims.

der malerische weg dort hin führt durch üppige vegetation an die tista und dann das ganze tista tal nach norden.

die angestellten der straßenbau gesellschaften reimen gerne und malen ihre geistigen ergüße an die felswände, uns wird dadurch nicht langweilig, einige der sprüche sind wirklich köstlich (be gentle on my curves, if married - divorce speed, if you drive and sleep - your family will weep, three enemies of road - liquor speed and overload, it's not a ralley - enjoy the valley,...)
für sikkim braucht man eine sondergenehmigung, die aus einem stempel im pass besteht und relativ einfach zu bekommen ist. herzeigen und sich eintragen lassen muss man trotzdem an der "grenze".

sikkim wurde, nach dem es jahrhunderte lang ein blühendes königreich war 1861 britisches protektorat, war nach der entlassung in die unabhängigkeit 1947 3 jahre lang wieder ein selbständiger staat, und wurde unfreiwillig schrittweise vom indischen protektorat zum 22. indischen bundesstaat 1975. die probleme zwischen den alten völkern, den früher königstreuen lepcha und bhutia, die sich in der minderheit befinden und den vom demokratischen indien beindruckten nepali (jetzt 80%!), die erst von den briten als arbeitskräfte für straßenbau und teeplantagen ins land gebracht wurden, brachten die monarchen wie auch später die modernen demokratischen regierungen im einfachsten fall in unangenehme positionen, im schwersten und häufigsten fall aber zum scheitern.

in gangtok selbst finden wir keine einzige lepcha familie mehr, die nepali haben das gebiet fast vollständig eingenommen. die stadt ist wahrlich keine architektonische meisterleistung, die neuen häuser verdrängen die traditionellen, welche völlig vom stadtboden verschwunden sind. der einzige teil, der an eine altstadt im entferntesten sinne denken lässt ist der gemüsemarkt der einheimischen, wo noch einige bhutia frauen bidi-rauchend ihre waren anbieten.

heute abend organisiert uns der hotel manager im schweiße seines angesichts eine thomba, ein typisches getränk, welches ich in abgeandelter form bereits letztes jahr in bhutan kosten durfte. es handelt sich um fermentierte hirse, die in einen holzkrug gegeben wird, darauf kommt heißes wasser. nun heißts 10 min warten, das wasser verwandelt sich in milchig-süßes "bier" (keinerlei ähnlichkeit mit unserem biergeschmack, dieses hier ist GUT!) 3-4 mal wird wieder aufgegossen, wobei die erste die stärkste runde ist und die 4. fast nur mehr aus wasser besteht. durch einen dünnen bambus stab saugt man das feine gebräu, wobei die hirsekörner im pot verbleiben.

der abend ist besonders lustig und das beste daran ist, man bekommt weder kopfweh oder sonstige beschwerden am "tag danach"!

der neue tag bringt uns zum enchay kloster, welches mit besonders schönen buddhistischen wandmalereien von göttern aufwartet.

gleich danach wollen wir uns kurz im rumtek kloster 12km abseits umsehen und noch einen kurzen blick auf ein im reiseführer als besonderes juwel gelobtes hotel in der umgebung werfen. für die grupen im herbst wäre es vielleicht ganz angenehm, nicht im unnötigen gangtok festzusitzen, wenn es ein stückchen weitr weg ein hübsches plätzchen gäbe.

an der kurvigen straße richtung rumtek begeleitet uns der rani kola (rani = königin, entspringt nahe dem palast) durch idyllische reisfelder. das besagte hotel soll ein stück weiter im tal liegen. wir fragen an einer kreuzung, die laut km angaben nicht fern des martam village resort sein soll. "rechts, den berg runter" am berg erklärt ein bauer: "nein, zurück, bei der kreuzung links!" am beschriebenen ziel heißt es "nein, nein, rechts und den berg ganz runter!" unten angekommen "martam village resort ist neben der schule, berg rauf und bei der kreuzung links!"
wir sind sicher, dass das hotel entweder geschlossen ist oder winzig klein. wir kurven zum dritten mal rauf und sehen wie schon zuvor nichts. nun erbarmt sich ein junger mann an der kreuzung und sagt: "hier ist es doch!" und deutet an die verfallene ziegelmauer mit stacheldrahtabsicherung die direkt an der kreuzung vorbei führt.
unsere skeptischen blicke treffen sich - das wird den gruppen nicht zusagen, die mauer ist alles andere als einladend.
trotzdem versuchen wir es, wo wir so lange gesucht haben.
1 m nach dem eingang strömt süßer duft in unsere nasen und ein paradies tut sich auf. niedliche kleine bungalows stehen versteckt zwischen mann hohem bambus, blühenden orchideen und allerlei anderem grünzeug, welches bei uns mit ach und krach eine saison im blumentopf übersteht.

der platz ist wie geschaffen für die gäste, zwar nicht grade fünf stern, aber die lage zählt mindestens noch ein oder zwei sternchen dazu!

die programmvorschläge des managers pema dorje überzeugen martin endgültig, außerdem sind wir selbst begeistert und bleiben eine nacht.
erst noch ein besuch im rumtek kloster, dann möchte uns pema zu einem natur und dorflehrgang entführen, welcher im gästebuch nicht nur einmal über den grünen klee gelobt wird.

in rumtek steht eine vor 2 jahren mit liebe renovierte alte gompa (kleines kloster) aus dem frühen 18.jh, die der 9. karmapa errichtet hatte und vom 16. karmapa nach seiner flucht vor den mörderischen maoisten, die 1959 in tibet einmarschierten, renoviert. nach dem sie aber unbewohnbar blieb, errichtete er in der nähe das neue rumtek, das dharma chakra center, nach dem vorbild seines zerstörten tibetischen klosters. es ist eine riesige anlage mit mönchsschule, klöstern, schreinen... welche nun der sitz der kagyu ordens ist. der neue karmapa fehlt allerdings noch.

der karmapa ist das oberhaupt des kagyu ordens (schwarzhut sekte), ist im buddhistischen glauben ein hohes tier und wird, wie der dalai lama, immer wieder inkarniert.
bis zum 16. karmapa lief alles relativ glatt, der jetzige (17.) hat jedoch gewaltige probleme.
laut tradition ist nur der vorgänger berechtigt, hinweise auf die auffindung seiner nachfolge-inkarnation zu geben, der 16. hatte dies aber verabsäumt. unter mysteriösen umständen fanden zwei verschiedene gruppen pötzlich je einen karmapa, der der einzig richtige sein soll.
der eine, der den wenigen orakelhaften andeutungen des 16. am ehesten entspricht und der von den meisten und wichtigsten leuten (dalai lama + alle anhänger, chinesische regierung,..) anerkannte wurde, wurde zwar in tibet von den chinesen anerkannt inthronisiert, konnte aber seine lehren und pflichten durch die strengen auflagen nicht wie gewünscht ausüben und flüchtete - nicht ganz so spektakulär wie der dalai lama einst - vor den maoistischen besetzern nach dharamsala, zum dalai lama.
die inder gewährten ihm zwar den flüchtlingsstatus, er darf jedoch nicht zu seinem ziel und sitz seines vorgängers, dem rumtek kloster. es sind seine bilder, die die rumtek mönche im heiligsten aufgestellt haben

der zweite fristet sein dasein unweit in kalimpong und behauptet seinerseits, er sei der berechtigte karmapa und wolle sofort zu seinem rumtek kloster. seine anhänger vertreten die meinung, dass der gegner wohl nicht aus tibet hätte fliehen müssen, wenn er ohnehin von den chinesen anerkannt war und verdächtigen diese nun, die flucht inszeniert zu haben und mit dem karmapa den fuß in die sikkimschen tür stellen zu wollen, da sie das land schon seit längerem gern ihr eigen nennen würden.

das programm der sich zur zeit im wahlkampf befindlichen parteien dreht sich stark um dieses alle einwohner stark beschäftigende thema.
die wahlen in indien ziehen sich über 2 wochen dahin, in denen natürlich keien bereitsgegebene stimme ausgezählt werden darf um nicht irgendein armes wählerlein zu beeinflussen. für die presse sind die das wahllokal verlassenden opfer das gefundene fressen. unermüdlich werden leute interviewt und umfrage ergebnisse gedruckt. in diesen zwei wochen steigen die auflagen deutlich, jeder will wissen, welche partei in den anderen bundesstaaten die nase vorne hat.
viele würden den reportern sofort verbieten, diese stories zu verbreiten. vajpayee, der indische premierminister sieht das geschehen positiv "das interesse der bevölkerung steigt und ebenso die wahlbeteiligung!"

zwei der fleißigsten leser sitzen wohl in dharamsala und kalimpong.
auch im kloster fiebern die mönche dem wahlergebnis entgegen, die empfangskomitees üben bereits für die glorreiche rückkehr des karmapa - des richtigen, versteht sich.

das glück ist uns wieder einmal hold, morgen wird sich der mond als volle scheibe zeigen und zu diesem anlass gibt es im kloster eine besondere zeremonie, eine puja wird abgehalten und ein mönch bedeutet mir, mich hinzusetzen und den feierlichkeiten beizuwohnen.
die mönche beginnen, verse und mantras zu murmeln, verfallen dann in einen singsang, dessen ungewohnte töne tief in die eingeweide fahren und tranceähnliche zustände auslösen können.
sie ziehen wie auf ein unsichtbares kommando ihre musikinstrumente hervor, welche das erlebnis noch verstärken. doppeltrommeln, becken, alphornähnliche blasinstrumente,

nach einer für laien undurchschaubaren abfolge von gesang, gebrumm und musik, die mich weit weg trägt, steht ein kleiner junge vor uns, stellt einen tisch und 2 tassen vor unsere nasen - martin hat sich inzwischen von seinen ohren zur puja leiten lassen - und gießt salztee ein.
er jetzt merke ich, dass auch die anderen glaubensbrüder essen und trinken, jedoch fast nie gemeinsam, sonder immer so, dass der gesang nicht aufhört. jeder weiß, wann seine stimme für den erhalt des liedes gebraucht wird und wann die gruppe seine esspause mitträgt.

wir können uns nur schwer trennen, doch pema wartet bereits auf uns und möchte uns ein paar der sikkimesischen kräuter zeigen.
er muss ein schamane oder ähnliches sein, denn in jedem noch so unscheinbaren kraut am wegrand erkennt er ein wunder der natur. er zeigt uns
blätter (bitterblatt in der landessprache) die zur blutstillung beim nasenbluten oder sonstigen wunden verwendet wird, mit dem man fische fangen kann, weil es für die tiere wie gift wirkt und die außerdem als "arme leute räucherstäbchen" dienen.
ein busch, aus dessen früchte man tinte gewinnt; gräser, dessen wurzeln gegen würmer helfen; ein moos, welches getrocknet ein pulver freigibt das zu schießpulver verarbeitet werden kann; äste, die zum zähneputzen dienen (schmeckt echt wie zahnpasta); weitere verschiedene kräuter, die auf bestimmte art verarbeitet gegen tetanus helfen, zahnschmerzen kurieren, wunden heilen etc
essbare farne, die heute abend am speiseplan stehen; farne, die in ihren wurzeln kleine bällchen mit gespeichertem wasser haben, welches schon oft durstige feldarbeiter gerettet hat und uns einen erfrischendenschluck am weg gönnte (schmeckt wie- ist - reinsten, gefiltertes wasser)
außerdem gibts allerhand verschiedener bäume und ihre verwurzelung in der tradition der einheimischen völker. bei kirschblüte (hier november) werden ziehen die ehefrauen zurück zu ihren eltern, wo sie bs zur pfirsichblüte im frühling bleiben. sinn der übung war, dass in den bergregionen dem knapp bemessenen fruchtbaren land nicht genung nahrung für große familien abgerungen werden konnte. der ehemann braucht so seine frau nicht durch den kargen winter füttern, als nebeneffekt zum selben zweck konnte sie auch im winterhalbjahr nicht schwanger werden. geburtenregelung im traditionellen stil.

pema leitet uns wie zufällig zu typisch buddhistichen und nepalesischen häusern, die wir wie alte bekannte betreten und besichtigen dürfen. er erläutert nebenbei die verschiedenen eigenheiten und gerätschaften.

der spaziergang ist super durchdacht und gestaltet, auch spontane änderungen sind für pema kein problem. bei einer der vielen christlichen schulen, die die buddhisten für bildung zum konvertieren "überreden" drückt mir ein mädchen ihren tischtennisschläger in die hand und fordert mich zum mitkommen auf. das dauert natürlich ein weilchen.

während wir im resort die vorzüglichen speisen, zubereitet nach sikkim-omas althergebrachten rezepten, genießen, erzählt er ein wenig von seinem arbeitgeber und seiner eigenen familie.

der chef stammt aus einer vermögenden bhutiafamilie, dessen vater war unter dem letzten könig tourismussekretär und feudaler großgrund besitzer, außerdem großzügiger grundspender für die schule mit den tischtennis spielenden kindern.
er selbst baute das hotel auf, ist zwar selten da, aber sorgt mit besonderen marketingstrategien penibel dafür, dass keine "minderen" nepali aus der umgebung in sein hotel kommen und besoffen radau machen. daher das versteckspiel ohne hinweistafeln an der hotelmauer, welches uns fast zum aufgeben der suche gezwungen hätte.
außerdem ist er einer der wenigen befürworter des kalimponger karmapa. von seinen kindern sind nur 1 tochter und ein sohn nicht im ausland. letzterer sollte papas geschäft übernehmen, wurde aber vom dharamsalam-karmapa als wichtige rimpoche-inkarnation erkannt und ins kloster gesteckt. der andere jedoch bestärkte den dankbaren vater in seiner meinung, einen ganz normalen sohn gezeugt zu haben. der filius selbst erkannte nach einer normalen ausbildung zum computerfachmann während dem weiterführenden studium bei einem treffen mit dem dharamsala karmapa seine wahre bestimmung und ging schnurstracks zurück ins kloster, aus dem ihn sein vater damals überglücklich nach hause holte.

nun ruhen alle hoffnungen auf der tochter, die im ausland ihre hotelfachausbildung absolvieren soll.

pemas eigene schwester dichtet, versucht sich seit 4 monaten erfolgreich als herausgeberin einer sehr kritische zeitung und wurde sogar von der in indien sehr renommierten hindustan times eingeladen, als reporterin zu arbeiten.

danach serviert er - wie könnte es anders sein - stilvolle thomba, besser als die vom vorabend.
wir plaudern noch ein weilchen mit den 2 indischen flitterwöchnern am nebentisch, die beide in amerika/chicago medizin studieren, aber genau wissen, warum sie nach dem doktorat gern nach indien zurück kehren (obwohl sie in mumbay wohnen, aber immer hin können sie sich eine hochzeitsreise nach sikkim + goa leisten.

nach diesem tag liebe ich indien auch, der abschied am nächsten morgen fällt schwer, nicht nur weil wir das resort verlassen müssen, sonder auch weil sich unsere nun schon fast 2 monatige wundersame reise bald dem ende zuneigt. dabei wissen wir noch gar nicht, ob dies nun die letzte nacht der reise war, denn unsere nicht allzu verlässliche karte lässt ahnen, dass wir noch 400km zur bhutanesischen grenzen zurücklegen müssen, was auf indischen straßen eher nicht in einem tag zu schaffen ist.

sobald wir aus den höheren sikkimesischen regionen durch den oberen teil westbengalens ins flache terrai kommen, schließt die qualität der straße wieder an die vor einigen tagen so ungläubig bestaunte und unerwartete aus dem westlicheren teil westbengalens an, wir fliegen nur so an den zahlreichen teeplantagen, die sich am straßenrand ausdehnen, vorbei. die flachland inder, leicht wieder zu erkennen am chaotischen fahrstil und der zahlenmäßigen überlegenheit, begleiten uns vom ersten flachland kilometer, können aber kaum mit unserem starex mithalten und stören uns daher nur bedingt. es gibt keine größeren städte mehr, in denen sie das chaos ins unermessliche wachsen lassen könnten.

die 400km stellen sich als 250km heraus, wir sind zur mittagszeit in hasimara, wo 34km vor der grenze bereits bhutan ausgeschildert ist.

im indischen chaos der grenzstadt fahren wir ungehindert über die grenze, was zwar schnell geht, aber für den starex sehr ungesund werden könnte. wenn der indische zollbeamte das auto nicht wieder austrägt, gilt er als im land verschachert und martin müsste den ganzen zoll nachzahlen.
also zurück und den zollposten suchen. nach einiger zeit entdecken wir ein schäbiges hüttchen am straßenrand, der zuständige weilt zur zeit nicht in seinen amtsräumen, kein wunder, denn touristen mit privatfahrzeug sind selten - sehr selten wie wir nachher feststellen, als ein botenjunge den oberboss ausfindig machen kann und er sich zum arbeitsplatz bemüht. in den letzten 15 monaten waren 4 fahrzeuge an dieser grenze. der letzte (joe pichler, der in ganz österreich mit seinen dia shows über eine motorrad-abenteuer herumzieht) weckte unseren freund vom zoll erst gestern aus seinem dauerschlaf, wer erwartet dann sofort am nächsten tag einen neuen störenfried? niemand!

so, der starex war abgefertigt. damit alles seine richtigkeit hat, wollen wir auch noch einen stempel im pass.
wieder wusste niemand, wo das zuständige büro versteckt war. hartnäckig, wie wir sind war unsere suchaktion schließlich doch noch mit erfolg gekrönt, eine holzbaracke hinter einem tempel beherbergte den immigration officier. auch er war nicht gleich anzutreffen, aber scheinbar hat es sich schon im ort herumgesprochen, dass 2 bunte vögel mit riesen-auto die beamtenschaft aufscheuchen wollen, so trabt er bald durch die eingangstür.......... na gut, erwischt - er schlürft durch die eingangstür!

sobald wir das hübsch verzierte tor nach bhutan durchquert haben verschwindet das chaos und der schmutz auf den straßen, keine lärmenden rikschafahrer und dreiradtaxis mehr, hier weht definitiv ein anderer wind! vor allem kein indischer.
aufgehalten werden wir nicht, die uniformierten lächeln freundlich das selbe unwissende lächeln wie schon zuvor als wir fragten, wo denn der indische zollbeamte sitzt.

auf bhutanesischer seite sollte mein visum beim immigration schalter liegen, nur: wo ist dieser verflixte schalter? wo ist überhaupt das gebäude, in dem sich der schalter befinden soll? wir wissen es nicht, im bastätigungsmail fürs visa steht: just outside phuntshoeling (bhutanesische seite der grenzstadt)

dummerweise wird diese indische tradition hier fortgesetzt, die einreisebehörden bleiben dem auge der touristen verborgen.
ohne visa können wir aber nicht wieder ausreisen, außer eventuell hier bei dieser desinteressierten grenzmannschaft. der weg führt jedoch nicht zum flughafen und eine autofahrt zurück würde mich erst in weiteren 2 monaten in heimatliche gefielde bringen.

also wieder suchen. nach 18 km fahrt im kreis, von pontius zu pilatus finden wir 300m vom ausgangspunkt ein unbeschildertes gebäude, in dessen hinterhof sich die visa-formalitäten abspielen.
unsere visa sind natürlich nicht da, doch zum ersten mal ist die zuständige unbürokratisch kooperativ und stellt - gegen jede vorschrift - ein neues visum aus. ihr schlechtes gewissen treibt sie zu solch illegalen unterfangen, den der papierhaufen unterm faxgerät scheint schon seit wochen nicht erledigt. irgendwo in den tiefen dieser altpapiersammlung stecken wahrscheinlich unsere visabestätigung. egal, das neue ist genauso gut und sie will offensichtlich nicht noch später nach hause kommen. wir haben gewagt, um 5 vor 5 zu erscheinen, wo doch um 5 offiziell dienstschluss ist und sie bestimmt nur aus versehen noch anwesend war - zu unserem gück!

das auto wird nicht registriert, dazu ist es sowieso zu spät, wir fahren einfach weiter. noch 170 km auf bhutanesischen straßen, das heißt 5 stunden mindestens.

während phuntshoeling im ebenen terrai liegt, steigen sofort nach der ministadt die berge bhutans samt der dazugehörigen straße in höhere zonen. die fahrbahn schlängelt sich den bergriegeln entlang, verschwinden in jedem seitental, winden sich wieder zurück, immer höher hinauf.
die luft ist wieder angenehm frisch, die auto- und lkwfahrer warten bei der kleinsten verengung und die anderen verkehrsteilnehmer.... moment, es gibt keine anderen verkehrsteilnehmer. keine rikschas, keine ochsenkarren, keine traktoren, keine radfahrer, keine kamele, keine ziegenherden, keine überfüllten dreiradtaxis, keine fußgänger.
es herrscht fast gespenstische stille und einsamkeit auf den straßen, irgendwo hab ich sowas schon mal gesehen - ach ja, mir fällts wieder ein, in dem CANTT militärviertel in patna.

so kann sich martin ganz auf die schlaglöcher konzentrieren, die man scheinbar aus indien importiert haben muss. sonst wäre es sehr langweilig auf den straßen, fast wie in österreich oder der schweiz!

der vollmond empfängt uns im zielland und leuchtet dich schlaglöcher gut aus. hoch oben thront er als große gelbe scheibe am himmel und zeigt uns noch einmal, wie schon unsere reise ist. die letzten stunden fahren wir mit einem lachenden und einem weinenden auge. die freude ist groß, auch wenn wir uns noch nicht offen beglückwünschen, einige km sind noch übrig und wir wollen den tag nicht vor dem abend loben. die einzelnen ereignisse loben wir oft genug, nur der satz: "es ist auf der ganzen reise kein schlechtes ereignis eingetreten" will doch noch nicht über unsere lippen.

eine überraschung hat der tag auch noch bereit, wir hätten ihn vorher bestimmt zu wenig gelobt: im schutz der nacht trabt ein große tier seitlich vor dem auto am straßenrand. wir strengen unsere augen an, neugierig versuchen wir, das tier in den lichtkegel der scheinwerfer zu bringen: ein bär, ein richtiger himalaya schwarzbär läuft neben unserem auto her, bis es ihm zu bunt wird und er sich ins gebüsch vertrollt.
wieder eines dieser kleine geschenke, die der tag uns überreicht.

um kurz nach 10 uhr abends sehen wir die erste nlichter thimpus vor uns leuchten. mein magen schlägt purzelbäume, er kann sich allerdings nicht entscheiden ob vor oder zurück. schwelgen in erinnerungen der vergangenen wochen oder freude auf die ankuft, das ziel der reise.

dazu kommt das eigenartige gefühl, morgen nirgendwo anders sein zu werden und nicht mehr täglich nach einem neuen schlafplatz suchen zu müssen.

15min später erreichen wir nun tatsächlich unbeschadet und ohne gröbere probleme martins haus in thimpu. keine krankheiten, keine unfälle, keine gefährlichen situationen, keine unfairen oder betrügerischen aktionen, im gegenteil mit sovielen positiven erlebnissen, die wir nie vergessen werden, die uns viel gelehrt haben und andere sichtweisen und ansatzpunkte miterleben und verstehen halfen.

ein ganz herzliches danke an alle, die in gedanken manchmal bei uns waren. ich hatte oft das gefühl, dass in einem bestimmten augenblick jemand bei mir ist und mit mir mitfühlt und die energien dieser gedanken haben bestimmt zum gelingen der reise beigetragen.
danke auch für die vielen antworten als rückmeldung auf meine rundmails, ich hab mich immer besonders gefreut, jemand ein thema aufgegriffen hat und mir sein empfinden dazu mitgeteilt hat!

ich bin jetzt noch einige tage in bhutan, bis mein flieger startet (voraussichtlich am 13.mai, ich habe aber gelernt, dass ich es nicht allzu genau nehmen soll in meinen planungen, denn es kann immer etwas sehr unvorhergesehenes dazwischen kommen und alles umgestalten - bis jetzt immer zum positiven!)

2 Tage Bangkok und danach fahre ich sofort in die schweiz, wo ich per email erreichbar bin, um endlich meine sommerarbeit anfangen zu können - ein besonderes dankeschön ins bijou, ihr habt es mir erst ermöglicht, meine reise und all diese erlebnisse bis zum schluss zu genießen.

bis bald, ich freu mich schon aufs wiedersehen

bei yahoo gibt's wieder pics, password falls du gefragt wirst ist: acchigom

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  • Vom chaotischen Pakistan ins chaotischere Indien

    april 04

    namaskat aus indien,

    nach stundenlangem rumdoktern war wenigstens die klimaanlage gefüllt und ein paar kleinigkeiten erledigt, die bremsbeläge und ersatzreifen konnten sie leider nicht beschaffen, wir werden unser glück also später nochmal versuchen müssen.

    Nach oftmaligem fragen und den üblichen in alle richtungen weisenden handzeichen erwischen wir nicht die autobahn, sondern die schnellstraße nach lahore, die von berittenen polizisten überwacht wird.

    In lahore stinkts mir zum ersten mal – wort wörtlich. Die luft ist heiß, übelriechend und rußige rauchschwaden verdunkeln die ohnehin dämmrigen straßen. Ohne unnötige pausen rauschen wir richtung grenze.
    Bis 25 km vorher deutet kein einziges schild auf die nähe indiens hin, die pakistanis hatten nie großartige beziehungen zum nachbarland, ich wusste aber nicht, das sie dessen existenz völlig verschweigen.

    Am nächsten morgen erreichen wir als erste den grenzposten, keine kunst bei 10 ausreisen pro tag, dafür dauere es nicht sehr lange.
    In indien bieten uns die beamten mit strahlendem lächeln tee an, wir sind also willkommen.

    Mir fallen besonders die Sikhs mit ihren kunstvoll gewickelten turbanen auf, die ersten fahrrad-rikschas, tata-trucks, die hier vom weltweit größten lkw-hersteller produziert werden, inderinnen in farbenfrohen saris ohne schleier und inder, die gewohnt sind, mit frauen zu sprechen und nicht ständig den blick abwenden.

    In amritsar treiben wir in einer welle bunter sikhs um den goldenen tempel, ein hauptheiligtum dieser religion, welches über einen steg im wasser erreichbar ist. Um den see führt ein weg, auf dem die gläubigen den tempel erst 3 mal umkreisen, bis sie sich ins heiligste vorwagen.

    Die heiligen kühe trotten hoheitsvoll durch die gemüsemärkte und auf den fahrbahnen, die riesen hörner tragen sie stolz hoch erhoben wie eine krone, sie sind sich ihrer besonderen stellung durchaus bewusst und nützen es aus, dass niemand sie wirklich verjagen oder ihnen gar leid zu fügen darf, auch nicht wenn sie ärgstes verkehrschaos verursachen.

    Die erste nacht ist lange, der finstere weg durch delhi mühsam, denn die wegweiser nach agra glänzen hauptsächlich durch abwesenheit. Um halb drei finden wir endlich einen stellplatz zum schlafen, martin metzelt noch 1 stunde lang die blutrünstigen mosquitos nieder, was ich allerdings nur aus erzählungen weiß, denn ich war zu dieser stunde schon im reich der träume.

    Nachdem ich in unserem reiseführer lesen muss, dass der eintritt ins taj mahal unverschämt teuer ist und der ach-so-verliebte sultan, der dieses imposante grabmal angeblich für seine lieblingsfrau mumtaz erbauen ließ und bis an sein lebensende davor schmachten wollte, an einer überdosis opium und aphrodisiaka sein leben aushauchen musste – wohlgemerkt nach einer sexorgie unweit des taj mahal, dem sinnbild seiner ewigen liebe – entschlossen wir uns, dem geheimtipp zu folgen, und das bauwerk kostenlos von der ebenso beeindruckenden rückseite zu besichtigen. Wir haben den besten blick, das ganze gratis, ohne parkchaos und ohne touristenmassen. Kaum zu glauben, aber 5 autominuten vom millionenzentrum entfernt herrscht gemütlich ländliche idylle und ruhe.

    Der weg dort hin führt durch die stadt, vorbei am nehru park, wo im gelassenen nebeneinander kühe, wasserbüffel und inder dösen.
    Aus einem bus vor uns ergießt sich ein feiner wasserstrahl, wir rätseln eine weile, bis wir den kleinen jungen im offenen seitenfenster stehen sehen, der sich sichtlich über die erleichterung seiner blase freut und sich an der nassen spur, die der rollende bus hinterließ ergötzt.

    In einem internet cafe gilt unser hauptinteresse dem wahlausgang in österreich, erleichtert können wir feststellen, dass die küsschen uns nicht als hauptrepräsentantin durch die nächsten jahre begleiten wird – dass sie sich mit „volldampf“ wieder ihrem job als außenministerin widmen will ist schlimm genug. dann bricht die leitung zusammen.

    Zwischen den städten ziehen abwechselnd sumpflandschaften mit den verschiedensten vögeln, friedlich grasenden rindern und wasserbüffeln, fischenden indern und plantschendern kinder und ärmliche häuser vorbei, die wahrlich keine architektonischen meisterleistungen sind. Ein paar roh zusammengenagelte holzbretter oder wellblech stücke reichen aus.

    An einem bahnübergang stehen wir 30 minuten, in denen 4 züge vobei rattern. Das verkehrschaos danach ist unvorstellbar – wie allerdings fast immer.
    Das indische verkehrsministerium bemüht sich zwar sichtlich mit handgemalten schildern mit gereimten aufschriften (make accident zero – be a safety hero, u.ä) aber erfahrungsgemäß sprechen die inder nicht so gut englisch. Das schild „please dont drive in wrong direction“ auf getrennt zweispürigen fahrbahnen ist zwar nett gemeint, hilft aber wenig, da es nur lesbar ist, wenn man ohnehin in die richtige richtung fährt. „geisterfahrer“ und „-kühe“ sind halbstündliche ereignisse, an denen sich niemand stört.

    Oft gegnen uns nagelneue „junge“ tata-trucks, die nur aus fahrgestell, rädern, motor, lenkrad und amarturenbrett bestehen. Das führerhaus gibt es noch nicht, die dresseure der jungen lkws sehen verwegen aus, haben sonnenbrillen und tücher am kopf, die hände locker-lässig ums lenkrad geschlungen, ein ernstes gesicht und befinden sich meist bis kurz vorm zusammenprall auf kollisionskurs. Was ein guter tata werden will muss scheinbar so früh wie möglich an die gefahren auf indiens straßen gewöhnt werden.
    Die wiege der tata ist nicht weit, alle paar minuten kommt ein frontscheiben loser lkw, der gebärmaschine wird keine ruhe gegönnt, angeblich kommt alle 15 min ein neuer zur welt.
    Eine anderes, diesmal an Star Wars erinnerndes Transportmittel ist das 3 Radtaxi, dessen Schnauze und Kühlerform stark an Darth Vader erinnern. Der Zusant diese GEfährts ist meist nicht erkennbar. Nur weil es halb auseinandergefallen im Strassengraben lehnt, heisst das nicht, dass es kaputt oder unfahrbar ist. Der Fahrer könnte sich genauso gut gerade eine Teepause gönnen.

    In allahabad, wo die heiligen flüsse ganges, yamuna und der nicht existente, mythische saraswati zusammenfließen, stoßen wir auf eine lärmende prozession. Frauen und männer wirbeln zu trommelschlägen herum, ein mann balanciert eine 4 meter hohe bambusfahnenstange auf diversen körperteilen (schulter, bauch, rücken und AUGE) im takt.

    In den kiosks der städte und dörfer bekommt man von a wie autoreifen bis z wie zahnpasta alles, wenn man nur lange genug sucht.
    An gemüse finden sich zwiebel, tomaten, gurken, warzengurken (?), schlauchgurken (?), kartoffel, radi, karotten, chili, melanzani und rote rüben
    Für den obst korb werden trauben, melonen, diverse mangos (die richtig nach mango schmecken, nicht so wie unsere pseudomangos in österreich), bananen, chikus (sehen aus wie kiwi, schmecken ähnlich wie birnen), mandarinen, granatäpfel und limonen geboten.
    Die zahl- und namenlosen süßigkeiten werden von indern und fliegen gleichermaßen umschwärmt, außerdem trinken sie liebend gern frisch gepresstes zuckerrohr – für mich unvorstellbar, dass sie darauf nicht noch mehr durst bekommen, vor allem auch wegen der großen hitze.
    An dieser stelle muss ich den liebenswürdigen chaoten mal ein großes lob aussprechen. Sie arbeiten ständig bei 40 grad im schatten, wobei nur die grad im schatten sind, nicht die inder. Ich bin immer froh, wenn ich nach einem kurzen sightseeing oder einkaufsbummel wieder ins kühle auto darf.

    In varanasi zeigt uns ein freundlicher indischer althippie das angepeilte hotel, wo wir einen hageren deutschen gelegenheitsarbeiter und weltenbummler treffen, der bereits zum 7. mal hier ist und uns ausführlichst von seiner erst kürzlich erlebten darminfektion und deren auswirkungen erzählt.

    Nach 2 schweißtreibenden tagen und nächten im auto, in denen wir von schneebergen und selbstgemachtem schokoglacé aus dem bijou träumen ist die aircondition im zimmer der himmel auf erden.

    Frühmorgens brechen wir zu den ghats auf, den berühmten stufen am ganges wo sich die heiligsten der heiligen treffen, zum plaudern, beten und sterben. Wer hier stirbt, verbrannt und in den ganges versenkt wird fährt angeblich sofort in den himmel auf, ohne wiedergeboren werden zu müssen.

    Aber auch der otto-normal-inder kommt and die heiligen ufer. Rituelle waschungen in der braunen brühe, wäsche waschen, kinder waschen, tiere waschen und „erfrischendes bad“ gehören zur tagesordnung.
    Hospiz-einrichtungen sorgen für die alten inder, die zum sterben hierher kommen.

    Für die rückfahrt suchen wir uns ein boot mit „sonnensegel“ (an 4 bambusstangen befestigter stofffetzen, aber trotzdem ein segen) den die ghats sind zahlreich. wir haben fast 2 kilometer zurück gelegt und die sonne brennt ungnädig auf uns herunter.
    Jetzt sehen wir das verbrennungsghat näher. 150 hindus werden pro tag eingeäschert, nur keine kinder (ohnehin unschuldig), schwangere (haben unschuldige kinder im leib), sadhus (sind schon heilig) lepröse (repräsentieren eine göttin) und von kobra gebissene. Alle diese werden mit einem stein um den körper in den fluten versenkt.
    Mit wieder einer ausnahme: den von der kobra vergifteten. Sie dürfen weder verbrannt werden, da dies die luft vergiften würde, noch versenkt, da dies das wasser vergiften würde, noch eingegraben, da dies die erde vergiften würde. Sie treiben auf einem bambus floss im fluss, bis zufällig irgendwo ein mächtiger guru ihrer ansichtig wird und sie mit seiner heiligen kraft entgiftet und anschließend versenkt.
    Der hokuspokus, der hier veranstaltet wird ist himmelschreiend, nirgendwo sonst sieht man die bei allen religionen üblichen mehr oder weniger sinnlosen rituale so deutlich. Ich muss für mich immer mehr erkennen, dass bei allen religionen die grundgebote ähnlich und durchaus positiv sind, die praktische ausführung aber ein riesen firlefanz ist, der die gläubigen von den weisen gurus, sadhus, priestern, mullahs oder wie sie immer heißen mögen, abhängig macht, da nur sie wissen, wie die götter umgestimmt werden können. Sie haben die ursprünglich guten ansätze mit scharlatanerie verwässert und ziehen nutzen aus der angst, leichtgläubigkeit und sinnsuche der menschen.

    unser „kapitän“ rudert mit uns an einem der vielen kahlgeschorenen, spindeldürren männer vorbei, der mit einem messing gefäss rituelle handlungen ausführt und am schluss einen mundvoll der köstlich brühe.
    Während wir angewidert überlegen, ob er es wirklich geschluckt hat, beseitigt der steuermann unsere bedenken. Mittlerweile sind wir eine stunde am wasser, er ist erschöpft vom paddeln und lehnt sich über den bootsrand. Drei handvoll grausiges gangeswasser befeuchten seine kehle… mhm! Mich wundert nicht, dass hier so viele sterben…

    Zurück im hotel führt mein erster weg unter die kalte dusche, die leichte brise am wasser hindert die sonne nicht daran, uns mit ihren besonders warmen strahlen zu beglücken.

    Wir verlassen uttar pradesh und erreichen bihar, den angeblich lausigsten und am schlechtesten verwalteten bundesstaat mit den miesesten straßen. Der frühere ministerpräsident laloo hat nach einem von den zahlreichen wählern der unteren kasten geförderten sieg statt seinen versprechen seine eigenen taschen er- bzw. befüllt. Sein regierungsteam bestand aus verbrechern und mördern und während seiner ära brach der bürgerkrieg aus, armee, polizei, mafia, zivilisten, maoisten und andere räuberbanden fielen blutig übereinander her. später wurde er zwar wegen veruntreuung von milliarden arrestiert, er regierte aber über seine kurz vorher ernannte frau weiter. Sie ist angeblich immer noch an der spitze, er befindet sich auf freiem fuss.

    Anfangs stimmen unsere eindrücke nicht damit überein, die häuser sind ungewohnt hübsch, bunt bemalt, es gibt kanäle in den dörfern, die süßigkeiten sind erstmals in verschließbare glasbehälter verbannt.
    Bald bewahrheiten sich die unkenrufe, nur radler balancieren halbwegs schnell auf den schmalen straßenresten zwischen den abgründen. die schlaglöcher werden immer größer, bis sie fast die ganze fahrbahn einnehmen. Anfangs ist ein ausweichen noch möglich, aber ich werde zunehmend frustrierter. Da fährt man mit vollem optimismus auf ein schlagloch zu in der überzeugung, ihm bestmöglich ausweichen zu können, nur um wieder zu bemerken, dass es nicht möglich ist, weil links und rechts davon ein mindestens genauso tiefes gegraben wurde. Der starex muss mitten durch und ächzt bereits besorgniserregend am rechten vorderrad.

    Wenn die kaputten straßen nicht gerade die volle aufmerksamkeit der inder brauchen, beschäftigen sie sich am liebsten mit dem produzieren von unentrinnbarem verkehrschaos.
    Ein beispiel aus agra, symbolisch für die täglichen kämpfe im indischen verkehrswahnsinn:

    In einer schmalen straße kommt uns ein dicker tata-bus entgegen. Wir müssen zurückschieben. Verzeihung: wir müssTen in die kreuzung zurück. Links und rechts schieben sich überladene rikschas in die ohnehin zu wenigen zwischenräume. In der T-kreuzung knapp hinter uns fahren alle beräderten motorisierten und nicht-motorisierten karren dicht auf, um keine gelegenheit auszulassen, bei der sie eventuell einen halben cm vorwärts kommen könnten. Logistik gibt’s im hindi-vokabular nicht.
    Als endlich nach 20 min hinter uns platz genug zum zurückschieben ist (nicht wegen der einsicht eines indischen fahrers, sondern weil sich einen meter weiter hinten rechts zwei rikschas und ein traktor so ineinander verkeilt haben, dass nicht mal mehr ein radfahrer durch passt – das soll was heißen!) glauben wir an ein licht am horizont. Martin legt den retourgang ein und will zurück. Plötzlich kommt ein von links ein tata lkw, der mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit wieder alles verstopfen wird. Wirklich hilfreich wäre nur, wenn er die kunst, sich in luft aufzulösen beherrschen würde. Es soll ja auch fliegende teppiche geben…
    Mir reißt der geduldsfaden. Ich springe aus dem auto und baue mich vor dem laster auf, um ihn am weiter fahren zu hindern. Er hupt wie wild, weil ich die 3m straße, die zum reversieren für den starex und zum passieren der kurve für den feststeckenden bus nötig sind, nicht freigeben will, wo er doch so gerne die völlige blockade verursachen möchte.
    Zahlreiche inder beschimpfen mich, mein schlechtes gewissen über die unnötig schnelle „zerschlagung“ dieses gordischen verkehrsknotens hält sich in grenzen, schließlich haben wir heute noch ein paar kilometer vor uns.
    Martin kämpft um jeden milimeter freier straße mit den restlichen rad und rikscha-fahrern und drängt sich geistesgegenwärtig in einen sicher nicht absichtlich entstandenen freiraum. 20 grantige huper des aufgehaltenen tata-lkws und martins milimeterarbeit im auto kann der gefangene bus endlich am starex vorbei, dicht gefolgt von 5 ochsenwagen, 2 traktoren und 7 rikschas. Ich hüpfe zurück ins auto und wir rollen blitzartig durch die entstandene lücke in die freiheit.
    Da ich nun nicht mehr vor dem lkw stehe, fährt dieser munter 2 meter vor und steht nase an nase mit dem bus. Das spiel beginnt von vorne – ohne uns, wir machen uns schleunigst aus dem staub.

    Ich hoffe ihr versteht meinen manchmal etwas sarkastischen schreibstil nicht falsch, aber ich betrachte das ganze zum selbstschutz als 24 stunden nonstop kabarett, sonst würde ich öfter aus der haut fahren. Der offensichtliche unwille irgendetwas, egal was, effizient und logisch zu lösen zehrt manchmal sehr an unseren nerven.

    Gerade als wir sicher sind, dass wir nur schnell weg wollen, kommen wir zu den bisher schönsten plätzen. Ein mausoleum ohne eintritt, wo gerade reger betrieb herrscht, da heute der todestag des begrabenen sufis begangen wird. Die gläubigen singen und tanzen sich nach den alten traditionen in trance, dahinter liegt ein wunderschöner kleiner see, in dem die kinder plantschen. Eine kühle brise – sehr ungewöhnlich, die muss ein mitleidiger gott geschickt haben, um uns gnädig zu stimmen – weht über das gelände.

    Dann fahren wir durch patna. Plötzlich herrscht gespenstische stille auf der straße, kein hupen ist zu hören, alle fahren zivilisiert, jeder auf seiner fahrbahn, niemand überholt. Sieht aus, als wäre einem einflussreichen inder der kragen geplatzt und er hat seine kollegen irgendwie zur vernunft gezwungen. Sie scheinen sich zu fürchten - wovor?
    Des rätsels lösung ist, wir befinden uns im CANTT, dem armeeviertel. Die militärs haben es offensichtlich unter androhung von waffengewalt und autobomben, die chaotischen inder in geordnete bahnen zu lenken.
    Kaum ist das CANTT aus, beginnt dass bekannte chaos mit den üblichen verdächtigen, als ob sie nie etwas anders gesehen hätten und nicht erfahren durften, dass auch ohne hupen, schreien und drängen jeder schneller zu seinem recht und heim zur mami kommt.

    Eine weiter oase der seeligen ist vaishali. Rund um einen etwas größeren see stehen ein museum und eine buddhistische friedenspagode. Im see vergnügen sich die wasserbüffel und tauchen, bis nur mehr zwei große nasenlöcher aus dem wasser ragen. Die Nachmittagssonne besticht als begabte malermeisterin, sie zaubert von ihrer palette die kräftigsten farben ins dahinter liegende dorf. Die goldenen statuen der stupa funkeln in ihren strahlen.

    Die inder kosten die letzten, nicht allzuheißen sonnenstrahlen aus, erledigen kleinere arbeiten. Die männer radeln nach hause. die glänzenden saris der frauen schimmern im abendlicht und umschlingen ihre körper auf geheimnisvolle, anmutige art. Kerzen gerade, manche mit schweren töpfen oder körben am kopf, ohne sich die mühen des alltags anmerken zu lassen wandeln sie am straßenrand richtung heimatlicher strohhütte.

    In der stadt dauert der arbeitstag länger, die inder sind hektischer und führen bei weitem kein so beschauliches leben wie ihre kollegen am land, obwohl sie immer für eine rastpause dankbar sind. In ermangelung eines staus nehmen sie unseren starex und mich genau unter die lupe. Ihr schwach ausgeprägtes distanz gefühl (für indien und seine milliarde bewohner dringend nötig, einsame plätz sind mangelware) und ihre unverhohlene neugier sind für mich gewöhnungsbedürftig. Sie drücken sich am fenster die nasen platt und wenn sie offen sind greifen sie bis zum schalthebel. Es ist nicht böse gemeint, aber trotzdem neu für die privatsphäre respektierenden westler.

    Am ende des tages verdichten sich die hinweise, dass unsere karte falsch gedruckt ist, der eingezeichnete east-west-corridor ist 130 km weiter südlich als eingezeichnet, die straßen entsprechend schlecht, was uns einen ganzen tag kostet. Dafür durften wir endlich die schönen seiten indiens kennen lernen und diese kleine unannehmlichkeiten erscheinen im aufgehenden licht der verständnis nicht mehr so grell. Das war den tag wert!

    Der heutige schlafplatz ist der vorgarten eines kleinen restaurants, der besitzer ist ein engel. Mit ein paar internationalen wortbrocken und gesten macht er mir verständlich, dass er zwar kein englisch spricht und ich kein hindi, wir uns aber mit der universellen sprache der hände und herzen verstehen werden. Er persönlich sorgt für unser wohlergehen.
    Er kümmert sich rührend, beschafft mir sogar einen ventilator, als ich es nachts im auto nicht mehr aushalte und mich auf eines der im freien stehenden betten lege und schenkt uns den frühstückstee.

    Heute erreichen wir endlich die stadt purnia, welche schon seit 3 tagen als unerreichtes tagesziel am planungshorizont leuchtet.
    Bald darauf erreichen wir westbengalen und wir trauen unseren augen nicht, als eine 4spurige straße aus dem nichts auftaucht.
    Wer scherzt hier mit uns? Wir trauen dem frieden nicht und erwarten hinter jeder kurve den abgrund, doch er tut sich nicht auf.
    Mit einer kurzen unterbrechung, wo ein kleiner zipfel des lausigen bundesstaates bihar (der mit den miesen straßen) nach westbengalen ragt hält die qualität bis kurz vor siliguri.

    Wir werden wirklich bis darjeeling kommen heute – fantastisch!
    In siliguri stolpern wir wie schon öfter über eine hyundai werkstatt und auf diesem gebiet sind die inder den pakistani erstmals überlegen. Sie finden und fixieren den lockeren bolzen der ächzenden rechten vorderradaufhängung (die, die toferer neu gemacht hat), verpassen dem baby einen neues auge (ein breitstrahler hatte schon vor 3 tagen den geist aufgegeben) ölen die quietschenden türschaniere, reinigen pollen- und luftfilter und bestätigen, dass wir mit den bremsen nicht mehr weit kommen werden.

    17€ und 2 ½ stunden später setzen wir unseren weg nach darjeeling, wo wir das programm der reisegruppen im herbst, von denen ich zwei betreuen werde, testen wollen, fort.

    Die kurvige straße schlängelt sich den berg hoch, daneben verlaufen die schienen der 150 jahre alten schmalspurbahn, die dutzende male die fahrbahn queren.
    Die luft wird mit jedem höhenmeter frischer und angenehmer, ein segen nach der stickigen, heißen, manchmal stinkenden, fast sichtbaren luft in den ebenen.
    Die leute lächeln freundlich, die autofahrer wissen, wie man sich auf den straßen benimmt, sie warten in engen kurven, hupen vorher, es ist, als ob wir versehentlich über eine grenze gefahren wären und uns nicht mehr in indien befinden würden.
    Bergvölker sind eindeutig anders!!

    Wir haben sogar das riesen glück und sehen die 1mal täglich verkehrende liabe klane eisenbahn, die raucht a bisserl, pfaucht a bisserl, bis sie nimma weiter kann… (österreichisches mundart lied)

    Die gruppenunterkunft ist ein altes, im englischen kolonialstil geführtes 5 sterne hotel mit entzückender einrichtung und köstlichem essen.

    Am morgen beginnt der tag nach dem frühstück mit kurzer besprechung über allfällige fragen mit dem partner vom hiesigen reisebüro, dann startet unsere „testtour“, welche uns zum zoo, zum himalayan mountaineering institute, zum tibetischen flüchtligscamp mit den workshops, der teeplantage, der schmalspurbahn fahrt (schritttempo, 1 stunde für 8km, aber ein dampfendes erlebnis) und zu einem alten buddhistischen kloster führt.
    Am Nachmittag lichten sich, wie schon so oft, die wolkenschleier und öffnen uns die sicht zum dritthöchsten berg der welt, dem kanchenjunga.

    Mit diesen bildern im kopf kommen wir zurück ins hotel, wo wieder indische delikatessen auf uns warten.

    Heute mussten wir um vier aus den federn, um vom tiger hill aus den sonnenaufgang überm kanchenjunga mitzuerleben! Gestern war es leicht diesig, wir waren nicht sicher, ob uns das wetter gnädig sein würde, doch die ersten blicke vom bett aus zum himmel zeigen in sternenklar und wolkenlos.
    Der berggott meint es wieder mal besonders gut mit uns, wir sehen nicht nur den nahen kanchendzonga im licht der morgensonne glänzen, sondern zu unserer überraschung sogar makalu, lhotse und mount everest in 200 km entfernung.
    Die aberhunderte herum wuselnden indischen touristen können unsere freude nicht vergällen, obwohl wir wirklich nicht damit gerechnet haben, soooo viele davon am tiger hill zusehen. Die hundert transportjeep verursachen das zu erwartende chaos, trotzdem läuft es hier viel ruhiger ab, als bei den flachland-indern.

    Nach dem frühstück geht’s richtung gangtok in sikkim, wo wir noch das berühmte und umstrittene rumtek kloster besichtigen werden.

    Alles liebe und viele schöne tage,

    bei yahoo gibt's wieder pics, password falls du gefragt wirst ist: acchigom

  • Indien pics
  • Pakistan - Hunza, Fairy Meadows und Swat

    april 04

    assalam o aleykum,
    zum letzten mal vermutlich!

    die letzen tage waren unübertrefflich was landschaft und leute betrifft.
    im letzen mail hab ich angekündigt, dass wir nun trekken gehen werden. wir waren zuerst in hunza eingeladen, dem tal, welches für uralte leute und aprikosen weltbekannt ist.

    leider ist davon nur mehr ein teil wahr.
    die uralten leute sterben allerdings langsam aus und die neue generation hat mit den gleichen gesundheitlichen problemen zu kämpfen wie alle anderen menschen. billigspeiseöle haben das traditionelle lebenselexier - das aprikosenkernöl - fast vom markt verdrängt, kinder sitzen auch schon mal gern vorm tv anstatt sich körperlich zu betätigen, essen dazu chips aus der plastiktüte anstatt sich an gesunden aber kargen alten hunzaspeisen zu laben.

    die aprikosen gibt es immer noch, in allen erdenklichen variationen. getrocknetes fruchtfleisch, getrocknete apriosenkerne (das innere vom kern, wird geknabbert, schmeckt wie mandel), aprikosenkernöl - selten aber doch, für wohlhabende, saft und marmelade (marmelade wird als arme-leute-produkt angesehen, nur wenige bereiten sie zu, an touristen wird sie eher selten verkauft).
    auch das kleinste stückchen der süßen frucht wird verwendet, die kernrückstände, die beim ölpressen überbleiben, bekommen die kühe, der saft, der aus den überreifen marillen fließt wird gesammelt, mit sand und erde vermischt und als kitt für tierställe verwendet.

    unser gastgeber alamgir, der uns vorabend in gilgit von sahid hasan vorgestellt wurde besitzt selbst 60 aprikosenbäume, dern früchte nur für den gebrauch in der familie bestimmt sind. etwas viel? nicht, wenn es sich um eine großfamilie handelt, nach dem joint-family system der muslime. 15 mitglieder tummeln sich in den räumen, wenn alle anwensend sind - die frauen natürlich nur in der küche, einem freistehenden ein-zimmer gebäude. die 7 kinder, die sich sorgen für reichlich leben im einfachen aber großzügigen und gemütlichen haus.

    ursprünglich sah unser "plan" vor, eine nacht zu verweilen und dann zum rakaposhi basecamp vorzudringen, doch das wetter machte uns einen gehörigen strich durch die rechnung regen und schnee in der nacht machten den weg zum camp unpassierbar- glücklicher weise!

    so blieben wir 2 nächte bei alamgir und lebten mit der familie.
    wir erfuhren viel über die jetztige situation der northern areas, zu denen die bezirke hunza nagir und gilgit gehören. bis zu dem zeitpunkt wussten wir nicht, dass wir uns in einer zollfrei zone befanden.
    die northern areas gehörten ursprünglich zu kaschmir, wo sich immer noch indische und pakistanische truppen von zeit zu zeit ihre stärke beweisen wollen.

    als die briten 1947 indien und pakistan in die unabhängigkeit entließen, sollten alle provinzen per volksabstimmung wählen, zu welchem land (pakistan - muslimisch, indien - hinduistisch) sie fortan gehören wollten. der hinduistische maharadscha des vorwiegend muslimischen kashmir entschied sich über die köpfe seines volkes für indien, und wollte die abtrünnigen bezirke gilgit, hunza und nagir, die inzwischen die eigene unabhängigkeit ausgerufen hatten, mit gewalt zur rückkehr zu kaschmir und somit indien bewegen. der junge eigenständige staat konnte sich nur 15 tage behaupten, denn die pakistanische armee, die gegen den maharadscha von kashmir zu hilfe gerufen wurde blieb bis heute.
    das soll aber keineswegs heißen, dass die northern areas - also gilgit hunza und nagar - eine legitime provinz pakistans sind. die pakistanische regierung ubernahm nur die verwaltung, offiziell zählen sie noch zu kashmir, denn sollte die versprochene aber nie abgehaltene volksabstimmung doch noch stattfinden, werden die stimmberechtigten aus gilgit + co sicher für pakistan votieren und so hoffentlich den propakistanischen anteil aller stimmen auf über 50% schrauben.

    noch ist allerdings keine wahl in sicht, wie schon seit 57 jahren....

    am abend besichtigten karimabad, den hauptort hunzas und das vorbildlich restaurierte fort baltit, den sitz des ehemaligen mir vor hunza, der nun als hotelbesitzer wie alle anderen tourismusabhängigen hofft, dass die besucherzahlen wieder steigen. der kaschmirkonflikt und die negative propaganda von wegen einsickernder mudschaheddin aus kaschmir und den bösen taliban aus afghanistan setzen der wundervollen region leider stark zu. vielleicht war es nur glück, aber es gab keine minute in der wir uns nicht völlig sicher und gut aufgehoben vorkamen.

    ich will nicht bestreiten, dass sich in den gebieten zwielichtige gestalten rumtreiben - obwohl ich keine davon angetroffen habe - die gefahr für touristen ist aber meines erachtens nicht der rede wert. in den letzten 6 jahren gab es 1 vergewaltigungsfall, bei dem eine 40j. touristin ihren neuen 18j. pakistanischen freund abweisen wollte. bitte nicht falsch verstehen, ich will ihn nicht verteidigen, der bursche wurde auch bestraft. ich glaube nur, dass dieser fall sehr wenig mit taliban oder sonstigen schurken zu tun hat, sondern nur mit dem verhalten dieser 2 personen und den kulturellen diskrepanzen.


    am nächsten tag öffnete ich am morgen die tür und blickte auf die schneebedeckten berge, die das hunza tal begrenzen. die blühenden bäume und die gipfel der nahen berge ließen meine augen übergehen.

    jasmin, mutter zweier süßer kinder und schwägerin alamgirs, freute sich sichtlich über die abwechslung und war stolz endlich eine gelegenheit zur anwedung ihrer englischkünste zu bekommen. sie brachte mich zu ihrer früheren arbeitsstätte, einer weberei, gegründet vom aga khan trust und der schweizer entwicklungshilfe als eins von 3 projekten in hunza, die die erhaltung von traditionellem handwerk und die berufstätigkeit von frauen fördern sollen. ich durfte alle arbeitsschritte mitverfolgen und wie "zufällig" lag gerade ein schal in meinen absoluten lieblingsfarben rot orange und gelb im schauraum. mein schwarzes kopftuch war im gegensatz zu den farbenprächtigen schals der einheimischen frauen nicht sehr ansehnlich, und ein blick auf das preisschild bestätigte mir meinen wunsch nach dem guten stück: an den 3€ sollte es nicht scheitern, außerdem wußte ich wirklich, wem das geld zu gute kommt.

    die weberei lag im kleinen ort unten im tal, das haus der familie oben an der straße. die leichtigkeit, mit der jasmin in plastikschlapfen den matschigen steilen, ewig langen hang runtersprang, ließen in mir leichten neid aufkommen. noch dazu trug sie ihre jüngste tochter am arm und war mit der zweiten hand ständig beschäftigt, den schal in seiner gebührenden position zu halten, damit nicht ein zufällig vorbei kommender fremder mann ihre haare zu gesicht bekam. ich hatte zwar keine großen probleme beim abstieg, war aber trotzdem heilfroh, dass ich (noch - den schal kaufte ich erst unten) beide hände zum ausbalancieren frei hatte.

    beim rückweg musste ich abermals schwer staunen: ich hatte nun einen schal und eines der müden kinder zum rauftragen, sie lief mir aber mit schal und 2 kindern auf und davon. nebenbei bemerkte sie, dass sie 2 mal täglich mit einer grasladung von 20kg für die kühe diese strecke hinter sich bringt - incl kinder versteht sich!
    ich konnte meine bewunderung nur kurz zwischen zwei keuchenden atemzügen kundtun. die aussicht ins tal vom hang aus wurde mit jedem schritt schöner, so dass ich des öfteren so überwältigt von der schönheit der landschaft, der kleinen häuser, des ganesh-flusses und des didar berges war und schwer schnaufend stehen bleiben musste, um es besser bewundern zu können. je weiter wir raufkamen, desto öfter legte ich so eine verschnaufpause ein - die sicht war aber auch wirklich wundervoll...

    alamgir meinte zu hause nur: "this is good practise for our women!"

    am nachmittag brachte uns der schiitische alamgir zum ismaelitischen dorfoberhaupt, damit wir auch einen "liberaleren haushalt" erleben konnten. ein zeichen großer toleranz!
    die frauen des hauses begrüßten uns im wohnzimmer, von geschlechtertrennung war hier keine spur. sie sprachen genauso laut und bestimmt wie die männer, was bei schiitinnen oder sunnitinnen nicht der fall war, falls es ausnahmsweise zum gespräch kam.
    ismaeliten spalteten sich beim 6. imam von den schiiten (bei den schiiten endet die nachfolge beim verschwundenen 12, der angeblich beim jüngsten gericht mit jesus wiederkommt) und der jetzige aga khan zählt als 49. imam und somit direkter nachfolger mohammeds.
    aga khan ist einer der reichsten männer der welt, wohnt in paris und setzt sich mit seiner deuschen frau für die entwicklung von bildungseinrichtungen, frauenrechten, bewässerungsanlagen, straßen, erhaltung der kultur uvm ein.
    das geld kommt nicht von ungefähr: einige der einrichtungen waren finanziert vom "aga khan gold jubilee trust", "silver jubilee trust" oder "diamond jubilee trust".
    alamgir erweiterte unser wissen: beim sibernen thronjubileum wurde der gute aga khan von seinen betuchten anhängern in silber aufgewogen - dreimal dürft ihr raten, was beim goldenen und diamantenen jubileum passiert ist?!
    leider ist der kerl nicht der schwerste, ich hoffe er hat seine klobigsten schuhe und mantel beim wiegen anbehalten!!
    alle ismaeliten sind stoz auf ihren führer. sein großes herz und v.a. seine große geldbörse bringen ihm auch den respekt anderer religionsanhänger.

    zurück bei alamgir gab wieder schmackhaftes essen und zum ersten mal seit österreich richtiges brot!!! jasmin war sehr erstaunt, sie konnte kaum glauben, dass dieses minderwertige "pitti" so großen anklang fand.
    mir aber lief das wasser im mund zusammen und das gefühl, nach einem monat wieder in richtiges brot zu beißen war unbeschreilich. das fehlende salz fiel mir nicht auf. die paschtunen tunken ihr pitti in salztee, um es zu würzen.

    abends erreichten wir wieder gilgit und bereiteten uns auf den trek zur märchenwiese vor. maqpoon, den wir am gleichen abed wie alamgir kennengelernt hatten, begleitete uns.
    bei der abzwiegung vom krakoram highway zu "fairy meadows" stellten wir unser auto ab und stiegen in einen jeep um. nach einer stunde fahrt und vielen hundert meter höhenunterschied gelangten wir ins 15 km entfernte tato, dem ausgangspunkt des treks.
    wieder "zufällig" trafen wir aziz, den besitzer des einzigen resorts auf der märchenwiese. eigentlich wollte er mit dem jeep runter und dann nach gilgit fahren, doch der jeepfahrer überlegte es sich anders und blieb in tato. aziz entschied sich also kurzerhand, mit uns wieder aufzusteigen.

    bis vor 1 jahr führte die straße oder besser die buckelpiste bis kurz vor die wiese, doch ein erdbeben zerstörte sie teilweise völlig, genauso wie teile des kleinen bergdorfes tato. jetzt sind sogar am fußweg einige gefährliche stellen, an denen man besser nicht die faszinierende landschaft bewundert sondern besser seine stöcke und füße nicht aus den augen lässt.
    ich kann mir gut vorstellen, dass sich die märchenwesen zusammengetan haben um dem drohenden touristenansturm ein vorzeitiges ende zubereiten in dem sie den zugang sperrten und mit ihren magischen fähigkeiten die erde erzittern ließen...
    die nicht ganz so romatische erklärung findet sich in der tektonischen beschaffenheit des gebietes, in dem die indische und die asiatische platte aufeinandertriften und in jahrmillionen die drei größten gebirge aufgefaltet haben - den karakoram, den hindu kusch und den himalaya - natürlich nicht ohne größeren erschütterungen. nach einem schweren erdbeben vor einigen jahrzehnten bebte die erde ganze 3 monate lang täglich!

    auf ein prachtexemplar des himalayas - den nanga parbat - marschierten wir beim aufstieg zu, ein bewegender anblick, nur 2 stunden vom karakorum highway entfernt. nirgends sonst gibt es diesen blick nach so kurzer anreisezeit! wenn nicht gerade ein hangrutsch meine aufmerksamkeit benötigte, fesselte dieser schneeriese meinen blick.

    der erste eindruck der märchenwiese war wahrlich märchenhaft. ein kleiner bach schlängelte sich uns durch moosbewachsenen waldboden glucksend entgegen. sanfte, mit föhrennadeln bedeckte hügel standen auf der zartgrünen wiese, die dämmerung war hereingebrochen und ließ jeden baum zum perfekten versteck für eine fee werden.
    aziz hieß uns willkommen und bat uns zum tee in eine seiner hübschen, in traditioneller architektur erbauten lodges. hier sammelten wir wieder unsere kräfte, die nach der 5 stündigen wanderung ein wenig nachgelassen hatten. nach 12.000km im auto und einem monat ohne sport eine herrliche aber anstrengende abwechslung.
    die nacht war sternenklar ud aziz' kraut intensivierte die eindrücke.
    er erzählte von seinen plänen, wie sein bruder in kleßheim/salzburg den internationalen tourismus-management kurs zu besuchen. matin konnte ihm dabei als ehemaliger referent der schule gut beraten.
    ich kann nur hoffen, er erkennt dabei, dass die märchenwiese ein geschenk ist, bei dessen bewirtschaftung das prinzip weniger ist mehr gelten soll. er hat theoretisch die besten absichten und einstweilen noch das monopol des einzigen anbieters von verpflegung und unterkunft zu sein, ob er jedoch dem reiz des schnellen dollars zu wiederstehen vermag wage ich nicht zu behaupten.
    noch ist der bauliche eingriff zu verkraften, für touristen stehen 7 fertige lodges zur verfügung, einige befinden sich im bau, zelte werden angeboten und alles fügt sich mehr oder weniger harmonisch ins übrige bild der sommeralmhütten der ansässigen bevölkerung.
    beim rundgang am nächsten tag überzeugten wir uns von der schönheit der landschaft. die wiesen waren vom nächtlichen neuschnee angezuckert, nebelschwaden zogen zwischen den bäumen durch und öffnteten da und dort einen kurzen blick auf nanga parbat und die anderen umliegenden felsriesen. wir waren die einzigen touristen, aziz verwendete seine ganze zeit,um uns an die eindrücklichsten plätze zu bringen. kleine seen in versteckten lichtungen, uralte wälder mit natürlichem jungwuchs an teilweise abgebrannten stellen, rauschende wildbäche, die den waldboden teilten, erste krokusse, die zaghaft durch die dünne schneedecke lugten, sommeralmen mit kleinen steinhäuser, die mit ihren grasbewachsenen dächern kaum vom erdboden zu unterscheiden waren und einen seinen lieblingsfelsen, auf dem sich eine kleine wasserlache befand, in der sich just bei unserem auftauchen die hinter den bergen untergehende sonne spiegelte.

    nanga parbat versteckte sich leider den ganzen tag hinter einem mystischen nebelschleier, als wir aber zurück zu den lodges kamen, verschwanden die nebel wie von feenhänden gezogen und dahinter glänzten die schneefelder an seinen wänden im sonnenuntergang wie gold.
    aziz kicherte leise, ihn belustigten die 2 touristen, die mit offenem mund "seinen" berg angafften, aber davon ließen wir uns nicht stören. bis die letzten strahlen am letzten spitz verschwunden waren, konnte ich meine augen nicht abwenden.
    in meinem - zugegebener maßen ohnehin etwas angegriffenem - magen spürte ich das glück kribbeln. (diesmal war es wirklich nur das glück!) nach einem tag gespickt mit sovielen bewundernswerten denkmälern der natur erlebten wir einen ausklang, der dem vorher gesehenen die krone aufsetzte.

    sichtlich angetan von unserer begeisterung, fragte aziz, ob wir den obligatorischen tee im freien einnehmen wollten. fast hätte ich abgewehrt und mich für die warme stube entschieden, doch er entzündete ein lagerfeuer und ließ den tee servieren. die köche gesellten sich nach getaner arbeit zu uns und es dauerte nicht lange, da begann einer auf einem alten blechkanister zu trommeln, die anderen stimmten alte lieder an und tanzten abwechselnd zum zeitweise höllisch schnellem beat. "this is mountain-sound!" meinte aziz zwischen zwei liedern und forderte mich auf mit zu tanzen. das ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen und wir machten die nacht zum tag.

    der nächste morgen brachte die nächste überraschung. wir wollten schon aufbrechen, da brachte aziz, dem ich am vortag von meinem traum, auf einem pferderücken über diese wiese zu galoppieren erzählt hatte, das pferd eines soeben angekommenen almbewohners. das strickhalfter wirkte nicht sehr vertrauenerweckend, auch zerstreute das widerspenstige schnauben des tieres meine bedenken nicht, doch nach dem aziz' proberitt vielversprechend aussah, wagte ich mich auch.
    aber das pferd übertraf meine erwartungen. ich genoß es, über die hügel zu galoppieren und überließ es dem tier, den besten weg zu finden , manchmal änderte es sogar die richtung als ich es mit den behelfsmäßigen zügeln dazu aufforderte. trotzdem wusste es genau, dass ich wenig ahnung vom pakistanischen reitstil hatte und zeigte mir von zeit zu zeit meine unzulänglichkeit. nach dem ich genug von den vorbeifließenden bächen, vorbeiziehenden bäumen und blumen hatte - was allerdings nicht auf die landschaft sonderen auf den ungewöhnlich geschnittenen sattel, von dem ich jetzt noch blaue flecken habe und meine durchgerüttelten magen zurück zu führen ist - konnte ich mich nur durch schnelles einziehen meines kopfes vor der sicheren enthauptung schützen, als ich mir mit dem pferdchen nicht über die endstation unseres gemeinsamen rittes einig werden konnte und es munter durch das mit querbalken am oberen ende befestigten zauntor des resortgeländes trabte. sichtlich erfreut, dass es zum ausgangspunkt unseres abeteuers zurückgefunden hatte blieb es vorbildlich stehen und ich konnte absteigen.
    für meinen nächsten besuch versprach aziz mir sein polopferd.

    der abschied von der märchenwiese fiel mir besonders schwer, ich habe mir fest vorgenommen, bald wieder zu kommen und mehr zeit hier zu verbringen.
    der abstig dauerte nicht ganz so lange, wir erfuhren jedoch von einem hangrutsch, der die straße blockiert hatte. zu unserem glück befand sich ein jeep auf unserer seite der kaputten stelle, er brachte uns bis dort hin, wir passierten sie zu fuß und auf der anderen seite erwartete uns schon der nächste jeep, der uns ins tal fahren sollte.
    am weg verperrte uns ein weiterer hangrutsch die weiterfahrt, mit schaufeln und spitzhacke machten sich die leute aber sofort ans reparieren. was zuerst aussah wie ein chaos aus steine werfen, hacken, schaufeln und glotzen entpuppt sich nach wenigen minuten als die bewährte methode, den geröllhaufen in ein befahrbares stück weg zu verwandeln.

    aziz, der mit uns ins tal fuhr, in der hoffnung nun einen willigen fahrer zu finden, bat uns ihn ein stück mitzunehmen. wir landeten in seinem haus, wo wir zum essen und übernachten eingeladen wurden. zum dinner gabs spinat, der auf der zunge zerging, dazu frische butter und maisfladen - herrlich.

    am nächsten tag fuhren wir das letzte stück des karakorum highways mit gemischten gefühlen zurück. es regnete leicht, die bäume, sträucher und gräser standen im saftigsten grün, der regen und der einsetzende frühling ließen alles sprießen. von allen seiten stürzten zahlreiche wasserfälle ins tal und auf den highway, einer davon diente als perfekte waschanlage für unser schmutziges auto. aus den schluchten quollen vom ersten schmelzwasser gefüllte bäche hervor und ergßen sich geräuschvoll in den indus.

    warum aber gemischte gefühle? aziz berichtete uns vor unserem endgültigen abschied vom neuen projekt der pakistanischen regierung, die um die wasserreserven fürchtet. ein staudamm soll errichtet werden und einen see von 200km länge entstehen lassen. damit würde alles, was sich hier vor unseren augen auftat überflutet werden. ein wahnsinnsvorhaben, für das 200.000 leute entwurzelt und umgesiedelt, der legendäre karakoram highway auf diesem stück zerstört, die landschaft und viele antike stätten überflutet werden sollen - und ds in einem gebiet,in dem die erde ständig bebt und der damm einstürzen kann oder ganze hänge in den stausee rutschen und riesige wasservolumen zum überschwappen bringen können, die die darunter liegenden dörfer vielleicht ausradieren .

    ich ertappte mich bei dem gedanken, dass hier ein zwischenfall wie bei einem ähnlichen projekt in nepal vielleicht das kleinere übel wäre. in nepal führten probebohrungen zu einem erdrutsch, welcher ein dorf zerstörte. darauf hin bliesen die verantwortlichen das vorhaben ab.

    auf der verbindungsstraße ins swattal bekamen wir eine bewaffnete polizeieskorte. die 2 burschen sahen beim einsteigen allerdings selbst aus,als ob sie beschützt werden müssten. als ob es nicht schon ungewöhnlich genug wäre, das lenkrad auf der falschen seite montiert zu haben, saß zu ihrem schrecken dahinter - ich - eine frau, eine wesen, dessen sie sonst nur in der küche ansichtig wurden.

    über 1000 schlaglöcher, schlammpisten und wasserfurten gings nach swat, wo wir uns ein fürstliches hotel (DZ 25€ mit botschafterrabatt) genehmigten und uns aus spaß an der freude zum ersten mal richtig rausputzten fürs hotelrestaurant. ein entspannendes bad in der allerersten badewanne seit 1 monat machte für mich den abend zum erlebnis.

    gestern früh besuchten wir die von österreich erbaute tourismusschule, welche nach groben fehlern in der management planung nun leer steht - nicht ganz leer - das übungshotel, die klassenräume, büros und studentenunterkünfte stehen völlig ausgestatten bereit. lediglich die lehrer, studenten und gäste fehlen, nach dem der erste direktor 1 monat nach der übergabe an pakistan und eröffnung im jahr 2000 verschwunden war und der kurs wegen unqualifizierter lehrer abgebrochen wurde konnte man sich nicht mehr über ein weiteres vorghen einigen.
    martin soll dafür sorgen, dass dies in bhutan nicht passiert, dafür war der vergleich vor ort und die infos des vorübergehenden direktors, der allein das riesige gelände bewohnt und dafür sorgt, dass bis zum hoffentlich baldigen neustart nichts abhanden kommt, sehr hilfreich.

    jetzt sitze ich gerade in der "customer ounge" der hyundai werkstatt in islamabad, wo unser baby durchgecheckt wird. einige alte leiden wie klimaanlage und viel zu viel schwarzer rauch aus dem auspuff und neue macken sollen behoben werden. gestern waren zum ersten mal die vorderen bremsen unangenehm hörbar (laut toferer angeblich neu), bei niedriger geschwindigkeit bläst trotz abgestellter heizung warme luft rein (sehr angenehm bei temperaturen um 30 grad im panjab) und der turboeinsatz lässt oft zu wünschen übrig. mal sehen ob die jungs hier auch so geschickt sind wie in istanbul, zur zeit schrauben sie enthusiastisch am starex rum. bremsbelege gibt es leider für unser modell hier keine, wir müssen daher hoffen, dass wir bis indien kommen!

    nächster stopp: indische grenze! laut "plan"......
    ich wünsch euch einstweilen alles gute, lasst was von euch hören - bin immer neugierig, was sich so tut in österreich und anderswo

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  • Von Belutschistan zum Karakoram Highway

    April 04

    Assalam Aleykum,

    es gibt schon wieder so schöne dinge zu berichten, ich bin völlig gefangen genommen von der liebenswürdigkeit und gastfreundschaft der menschen hier, ich wieder hole mich wahrscheinlich grade zum x-ten mal, aber so viel großmut kann ich nicht oft genug erwähnen, v.a. auch weil ich glaube, dass in österreich/europa ein ziemlich schlechtes bild dieser länder und menschen gezeichnet wird..
    Am Vormittag in quetta wurden wir von rehmat-ullahs (grenzzöllner) freund durch den bazaar geführt und rund um verwöhnt, wir durften nichts selbst kaufen, der bruder des „guides“, besitzer eines schmuck und antiquitätengeschäfts lud zum essen – köstlichen süßen reis mit getrockneten früchten, dazu gemüsecurry und hühnchen – und beschenkte uns mit seinen waren. Von kaufen keine rede. Im bazaar wagte ich am schluss kaum mehr, länger in eine richtung zu blicken, den das begutachtete objekt wurde sofort bezahlt und mit als geschenk überreicht.

    Wir ließen 300$ wechseln und hatten nun wirklich kein mulmiges gefühl mehr im magen, als der beauftragte während wir aßen damit verschwand und uns nach 15min pakistanische rupien dafür brachte. In der muslimischen gesellschaft würde ein vertrauensmissbrauch zum gesichtsverlust vor der gesellschaft und allah führen, das wollen sie sich nicht antun. Bishere waren wir ausnahmslos von absolut ehrlichen leuten umgeben.

    In einem webcafe mussten wir nach 1h plage mit langsamer leitung und trotz erledigung aller sachen nichts bezahlen, ohne beschwerde, nur weil der besitzer bemerkt hatte, dass wir lange „ruhepausen“ hatten.
    Bezahlt haben wir natürlich trotzdem.

    In loralai war ein regierungsgästehaus für uns zum übernachten reserviert, vermutlich das beste zimmer der stadt, am nächsten tag ein Mittagessen in rakhni beim straßenbauexperten, der die arbeiten in ostbelutschistan beaufsichtigt, alles natürlich one eine rupie zu verlangen oder anzunehmen, wir mussten fast darum kämpfen, wenigstens eine österreichische süßigkeiten als dankeschön dortlassen zu dürfen. „You are our guests and our brother and sister, we will do all for you, no need to say thank you“

    Auf den kargen sandböden ostbelutschistans wetteifern orangebühende Bäume und gelbe, violette und weiße frühlingsblumen um die wenigen tropfen wasser im boden und die grellen strahlen der sonne.
    Das eben zu garben gebündelte stroh steht kreisförmig aufgestellt zum trocknen auf den feldern, an anderen plätzen stehen die bunten patchwork-nomadenzelte, rundherum tummeln sich eseln, kamele, ziegen (eine ganz witzige rasse mit besonders langen ohren, an denen die hirtenjungen sie „führen“) schafe und natürlich die hübschen, dunkelhäutigen nomadinnen in ihren farbenprächtigen kleidern und umhängen.

    Wenn man allerdings zu lange zum fenster raus staunt, erinnert einen einer der vielen „speedbreaker“ (geschwindigkeits“brecher“, 10 cm hohe halbzylinderförmige erhebungen quer über die straße) an die fehlende konzentration. Es klingt tatsächlich, als ob etwas brechen würde, wenn man nicht früh genug bremst sondern im ralley stil drüber springt.
    Ich habe die vermutung, dass darunter die beim bau verunglückten straßenarbeiter begraben wurden, um wie bei der chinesischen mauer mit dem einsatz ihrer seele für die beständigkeit des bauwerks zu garantieren….

    Am ostersonntag werden wir zum tee bei einem checkpost eingeladen, „zufällig“ vertreiben sich die militärs ihre freizeit mit jungen kücken, die sie uns zu unserer freude auf den schoß und kopf setzen. Ein richtiges osterfrühstück.

    Am Nachmittag sehen wir ein eindrucksvolles beispiel pakistanischer logik und arbeitsmoral: auf einer passstraße kommt der ohnehin langsame verkehr ins stocken, grund dafür ist ein riesen felsbrocken, der mitten auf der einspurigen fahrbahn liegt und diese unpassierbar macht. Die straße wird gerade ausgebessert, es laufen also genug arbeiter rum, die das problem beheben werden… in meiner naiven europäischen vorstellung

    10 arbeiter sitzen rum und schauen, die lieblingsbeschäftigung der pakistani, v.a. im panjab bezirk. (sogar an den entlegensten wegen sitzt plötzlich einer und schaut, oder passt auf, dass die straße nicht wegläuft, hier gibt es nicht das prinzip – mehr geld für mehr arbeit, straßenarbeiter bekommen 1,5 € täglich, egal ob sie in der brütenden hitze schuften oder im schatten glotzen..)
    2 arbeiter winken vonbeiden seiten die wartenden fahrzeuge heran, bis sie sich – von dem riesen stein getrennt – auf der einspurigen straße gegenüberstehen.
    Nach 10 min ist geklärt, dass es so nicht funktionieren kann, kommando zurück (dauert natürlich etwas länger, da in beide richtungen die nachfolgenden fahrzeuge aufgerückt hatten)
    Nun rollte ein raupenbagger heran, der nach 8maligem reversieren und 3 maligem zuschütten des weges endlich schaffte, das ganze geröll mit großem gepolter den hang runter zu werfen. Wieder wurden von beiden seiten alle fahrzeuge heran gewunken, bis sie sich schnauze an schnauze auf der einspurigen straße gegenüberstanden……
    wir konnten nur mehr schmunzeln…

    Zum glück war es kühler oben am pass, unten in der ebene bemerkten wir, dass unsere klimaanlage wieder keine kühlflüssigkeit beinhaltete. Aber in pakistan gibt’s hyundai, also alles kein problem. Wir könen nur hoffen, dass dort schneller gearbeitet wird.

    Sonst fährt der starex ganz brav, alle teile halten bombenfest, martin hat auch schon die haltbarkeit der seitengummischutzleiste im nahkampf erprobt und dem gegnerischen minibus fast den heckschutz vom leib gerissen. Passiert ist weiter nichts, die businsassen hatten wenigstens einen guten grund zum glotzen…

    Wir kommen schnell vorwärts und fahren auch nachts, was lonley planet (DER Reiseführer) strengstens verboten hat. Dafür sehen wir (manchmal erst kurz vorm zusammenstoss) was sich alles auf pakistans finsteren strassen rumtreibt: scheppernde eselkarren, kamelkarawanen, hupende und blinkende bunte lkws (die schönsten überhaupt, mit dröhnenden hupen, klirrenden metallringen und platten als verzierung, bemalungen und glänzenden beschlägen) pferdekutschen, überladene pickup-taxis, alte bedford-busse, mähdrescher (!), radfahrer, autos, tratschende fußgänger, traktoren, meckernde ziegenherden, knatternde motorräder, bellende hunde – der grossteil davon natürlich unbeleuchtet…

    Wir übernachten an einer tankstelle, wo wir die ersten überlandreisenden treffen, sie sind am weg von indien nach slowenien.
    Am weg zum „bad“ kommt mir ein freudestrahlender pakistani entgegen und erklärt mir nasebohrend „i love you“. Während er seinen finger noch tiefer in der nase versteckt, erklärt er mir „i want to impress you“ - vermutlich mit dem größten popel, der in den höhlen seines riechorgans versteckt war. So ein geschenk hab ich mir schon immer gewünscht. Ich muss mir ein grinsen verkneifen. Als gelernter gentleman versuchte er nach meiner beteuerung, dass ich leider nicht frei sei, nicht, mich irgendwie zu belästigen.
    Es war zwar nicht sonderlich gustiös, aber immer noch besser als gewisse anmachen anderswo. Der arme kerl hat schließlich keine ahnung, dass große nasenmänner auf europäische frauen keine starke anziehungskraft haben…

    Über islamabad und die gebirgsstadt murree, welche die hitzeunbeständigen briten während der kollonialzeit als sommerverwaltungssitz hoch in die kühlen berge pflanzten erreichten wir endlich den karakoram highway.
    Eine dusche wurde nötig, wir suchten also ein hotelzimmer. Der besitzer versprach warmes wasser, frühstück, TV, telefon und internet für 700 rupien (10€), das zimmer war groß – herz was willst du mehr?
    Nach einigen minuten mussten wir feststellen, dass das warme wasser ziemlich kalt war und nicht aus den 3 vorhandenen hähnen floss, sondern nach dreimaliger aufforderung im küberl serviert wurde. Das internet funktionierte nicht („i know it is inside the computer“ zu dem allerdings nicht mal ein kabel führte…), ebenso das telefon und der fernseher – der eigentlich ein pc-bildschirm war, ebenfalls ohne stecker. Vermutlich hat niemand erklärt, dass diese geräte nicht nur aufgestellt werden müssen, sondern auch angesteckt,
    um fünf uhr morgens weckte uns ein schwarm krähen mit lieblichem gekrächze aus dem schlaf, das frühstück wurde bei der rechnung plötzlich extra berechnet, ebenso das wasser. Nun war die geduld zu ende. Für österreichische verhältnisse darf manfür 10 € nicht sehr viel erwarten, stimmt, aber hier gibt’s funktionierende unterkünfte für 4€. wir versuchten also, uns nicht großartig zu beschweren, erwarteten aber einen preisnachlass.
    Der kassier zeigte sich nicht kooperativ, die diskussion wurde lauter, bis ein älterer pakistani hinzukam.
    Er schämte sich sichtlich für seinen landsmann und bedrängte diesen solange, bis wir schließlich gar nichts bezahlen mussten. Er warf uns bei der abfahrt die hinterlassenen 5€ durchs autofenster.

    Der weitere weg am karakoram highway ist atemberaubend. Tiefe schluchten, schlängelnde bäche, wasserfälle, seilbahnen über die täler zu den vom verkehr abgeschnittenen dörfern am anderen ufer, frühlingsgeruch mischt sich mit frischer bergluft, die straße ist besser als erwartet, die arbeiten dafür waren offensichtlich nicht sehr gefährlich, den die toten arbeiter unterm asphalt werden bedeutend weniger.
    Ein gelungenes gemeinschaftsprojekt der pakistanis und chinesen an der alten seidenstraße, welches von 1966-77 gedauert hatte.

    Viele kleine dörfer sind an der straße, ab takhot begleitet uns der indus, dem wir ab dort 340 km entgegenfuhren.
    An der ersten brücke nehmen wir einen anhalter mit, wieder ein paschtune, und wir enden in seinem haus incl. Einladung zum tee, abendessen, übernachtung und frühstück.
    Hier erfuhr ich zum ersten mal die trennung der geschlechter am eigenen leib. Unser gastgeber war zwar ein relativ liberaler sunnite, der sein töchter zur schule schickt und weiterer ausbildung nichts in den weg stellt, brachte mich aber bald zu den frauen, die im hof und kinderzimmer weilten. Die männer diskutierten im wohnzimmer. Die frauen sprachen kein englisch, aber wir verstanden uns trotzdem recht gut. Der herr des hauses kam sogar zwei mal vorbei und übersetzte anfallende fragen in beide richtungen, obwohl ich die ahnung hatte, dass er einiges zensurierte.
    Der sohn, der sehr gutes englisch sprach war öfter dabei, denn kinder sind im frauenbereich erlaubt, männer auch manchmal, aber umgekehrt dürfen erwachsene weibliche personen keinesfalls in die bereiche der männer eindringen. Sie servieren den tee und das essen vor die tür und entfernen sich. Erst dann öffnet ein sohn die tür und holt das essen ins zimmer.

    Der sohn war sehr interessiert. Er betrachtete meine familienfotos genau, die meist szenen von geburtstagen zeigten. Frauen und männer gemixt, alkohol am tisch und sogar rauchende frauen. Ob den frauen nichts passiert, fragte er und ob sie die männer nicht stören bei ihren diskussionen? Das prinzip des gegenseitige vertrauens war nur schwer verständlich für ihn. Wie es denn sein kann, dass eine frau mit einem fremden mann spricht oder umgekehrt, ohne dass dabei schmutzige gedanken und besitzansprüche aufkommen? Einfach darauf zu vertrauen und die an die liebe zu glauben schien ihm sehr unsicher. Auch die möglichkeit, sich später für jemand anderen zu entscheiden hielt er für absurd. Besser, doch die geschlechter ausserhalb der eigenen 4 wände zu trennen um solch unmuslimischen ideen vorzubeugen.

    Als ich ihnen die fotos zeigte, wurden die mädels aus dem zimmer gedrängt. Das ginge sie nichts an, war die allgemeine meinung der jungs.

    Später holte mich unser gastgeber, um ihnen gesellschaft zu leisten, freunde von ihm waren vorbei gekommen und er bemühte sich sichtlich, liberal und überlegen zu wirken (immerhin war er einer der mitorganisatoren der neuen volksschule – die von der eu 2000 € bekommt, welche 2/3 des jahresbudgets ausmachen – in der die schuluniform für mädchen gratis ist, als ansporn für die eltern, ihren töchtern bildung zukommen zu lassen.
    Er forderte mich mehrmals auf, auch meine meinung kund zu tun, meist brachte ich aber nicht mehr als 3 sätze hervor, bis ich wieder von einem gast unterbrochen wurde. Sie waren offenbar nicht an konversation mit frauen gewöhnt.
    Ich freute mich sehr über diese erfahrung, da ich so selbst erleben konnte, wie es den musliminnen ergeht, obwohl es während dem gespräch oft ziemlich nervig war, total ignoriert zu werden.

    Am morgen besuchten wir noch die vorher angesprochene volksschule und zogen weiter.
    Ein dorf später stand wieder ein autostopper, sergej ist amerikaner, der eigentlich aus russland kam und nach dem zerfall der sowjetunion die erste chance auf einen reisepass ergriff, ein visum für die usa beantragte und dort bleib. Er arbeitete eine zeitlang als pflegehelfer und konnte endlich seiner unterdrückten leidenschaft, dem reisen nachgehen.
    Auf die frage, was er am meiste von russland vermisse, antwortete er: „die bücher, die gedichte, der intellektuelle anspruch. Amerikaner lesen nicht viel, diskutieren nur an der oberfläche und haben wenig eigene kultur.“
    Aber er kann auch gutes berichten: „ich war sehr schnell integriert, als kaukasier ist man schwarzen gegenüber sehr im vorteil und in amerika gibt es noch richtige abenteuer reisen. Jeder kann drauf los fahren, ich konnte unterwegs tagesjobs annehmen um die weiterfahrt zu finanzieren.“
    Es tat gut, auch mal etwas positives über amerika zu hören, meine eigene meinung ist manchmal ziemlich einseitig belastet.
    Über ansichten der amerikanischen regierung äußert er sich ebenfalls sehr kritisch. Zb: „You know, mr bush is not very intelligent, he could maybe run a petrol station or a shop – but definitly not a country. And the people who ‘help’ him have all military background“ - das alte lied, auf den rest des gespräches brauch ich wohl nicht näher eingehen.

    Sergej wollte zufällig ebenfalls nach gilgit, wir sahen also zu dritt zum ersten mal die 2000 Jahre alten Steingravierungen, die Petroglyphen der alten buddhistischen Reisenden in Chilas und den den nanga parbat (8150m), dem sogenannten killermountain, der fast eine ganze generation deutscher bergsteiger auslöschte, bis herman buhl ihn endlich in seinem spektakulären alleingang bezwingen konnte.

    Martin fühlte sich wieder zu hause. Man spürt die leidenschaft und sieht sie in seinen augen funkeln. Dies sind die berge und geschichten, mit denen er als sohn eines begnadeten und bekannten bergsteigers aufwuchs. Sein vater, wäre er nicht vater zweier kinder und ehemann gewesen, hätte sicher nicht die einladung, bei dieser nanga parbat expedition mit dem team um hermann buhl mit zu kommen, ausgeschlagen.

    Zu allem überfluss ist sahid-hasan, den rehmat-ullah (der vom grenzzollamt) in gilgit kontaktiert hatte, damit er uns informiert und ein hotel besorgt, der sohn des verbindungsoffizieres, der bei dieser expedition dabei war. Die bekannten gesichter in den alten erinnerungsalben und büchern von sahid-hasans vater nahmen martin für den heutigen Nachmittag gefangen.
    Ich durfte dafür seinen kleine sohn besuchen und die frauen im anderen teil des hauses. Eine erklärte mit in gebrochenen englisch, dass sie 7 jahre unterrichtet hatte, auch englisch, aber ihr mann hat ihr nach ihrer heirat ‚nahe gelegt’ zu hause zu bleiben. „ i forget all!“ sagte sie und wünschte sich briefkontakt, damit sie ihr vokabular wieder auffrischen und ein bisschen vom geschehen im westen erfahren könnte. Sahid hasan gab mir die adresse, sie holte mich zurück, schenkte mir einen umhang und ein freunschaftsband und flüsterte mir zu: „schreib an diese adresse, bei der anderen wird er es zuerst lesen!“ und zeigte mir eine neue anschrift.

    Sahid hasan bemerkte das und behauptete, die neue adresse sei nicht gut, aber ich weiß, wo ich hinschreiben werde…

    Morgen werden wir aufbrechen und endlich trekken gehen, zur märchenwiese am nanga parbat und zu dessen base camp. Ich freu mich schon riesig auf bewegug nach 11000 km fahrt!!

    Alles liebe und bis bald

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  • Vom schiitischen Iran nach Pakistan

    April 04

    Assalam Aleykum,

    die Nomaden versanken im Schlamm, darum entschieden wir uns, gleich nach Yazd, dem Zentrum der Zarathustrianer weiter zu fahren. Wir bereuten die Entscheidung nicht, denn am Weg dorthin durften wir wieder viele Male die Gastfreundschaft der Muslime kennen lernen.
    Außerdem stolperten wir zufällig über ein kleines verschlafenes Nest ohne jegliche touristische Erschließung, ein kleines Paradies mit Palmen, kleinen, verwinkelten, teils überdachten Gassen, kleine Ziegelsteinhäuser, in den typischen gelben Sandsteinfarben, Aghda erschien mir wie ein riesiger Spielplatz, eine romantische Vorstellung, trotzdem entsprach es genau meiner Vorstellung einer Wüstenstadt. Der Farbkontrast war speziell im Licht der Nachmittagssonne wundervoll, gelbe Häuser, grüne Palmen und blauer Himmel.
    Gerade rechzeitig zur Gebetsstunde eingetroffen, lud uns ein Mann zum Tee im Gebetsraum ein, Frauen und Männer getrennt versteht sich.

    Wir fuhren weiter nach Kerman, wo wir übernachteten.
    Mit Tipps vom Hotelier für die Weiterreise im Gepäck machten wir uns auf nach Rayen, einem Mini-Bam, als Kompensation für die leider zerstörte Stadt, die bis vor kurzem Touristenattraktion aufgrund ihrer antiken, 2000 Jahre alten, architektonischen fast einzigartigen Zitadelle und der berühmten Dattelpalmen war.

    Trotzdem besuchten wir Bam, es war einer der eindruckvollsten, aber auch traurigsten Momente der Reise. 5 km vor Bam sah ich die ersten Palmenhaine, kitschig wie im Bilderbuch, mir gingen die Augen über.
    Fast gleichzeitig tauchten die ersten Zelte auf, in denen die Erdbebenopfer hausen.
    Je weiter wir fuhren, desto mehr Zerstörung, Leid und Trauer war zu sehen. Von der Stadt selbst steht kein einziges Viertel, keine noch so kleine Siedlung. Zwischen den Trümmern stehen Zelte, meist auf den Straßen, da dies die einzigen ebenen Flächen sind, die übrig geblieben sind. Tausende notdürftig befestigte Planen reihen sich nebeneinander, Seite an Seite mit eingestürzten Überresten von Häusern, Geschäften, Garagen.
    Die Leute schienen weder sehr deprimiert, noch enthusiastisch am Wiederaufbau beschäftigt.
    Ich hatte den Eindruck, dass sie es zu verdrängen versuchten. Sie stiegen bei ihrer alltäglichen Arbeit über die Trümmer, als ob sie nichts damit zu tun hätten.
    Doch natürlich ist noch viel aufzuarbeiten. Psychologische Hilfe wird angeboten, aber Depressionen stecken nach Tragödien dieser Art sehr tief und bedürfen starkem Einfühlungsvermögen und Geduld. Die vielen Selbstmorde als Verzweiflungstat nach der Katastrophe zählen nicht zu den 30 000 Opfern des Erdbebens.
    Viele Helfer spenden, doch für die ehemals reichen Bewohner, die aufgrund von Dattelhandel, Tourismus, Drogenschmuggel etc Zitat "glaubten, bessere Menschen zu sein" können sich nicht mit der neuen Situation als Almosenempfänger identifizieren und lehnen Hilfe oft ab. Sie haben beschlossen, in der Stadt zu bleiben.

    Von internationalen Hilfsorganisationen bemerken wir nicht viel, sie sind mit den Medien wieder abgereist. Es gibt einige freiwillige iranische Helfer, die am Aufbau arbeiten, Wir treffen Vertreter medizinischer Hilfsorganisationen aus dem Iran und welche von der Organisation „Kulturelles Erbe“. Sie befassten sich hauptsächlich mit der bis zur Unkenntlichkeit zerstörten Altstadt, von der nur mehr Erd- und Sandsteinziegelhaufen übrig sind
    Eine einzige Palme steht in mitten den Trümmerhaufen, als Symbol des Lebens inmitten von Tod und Verderben.

    Vor der kaputten Zitadelle stehend, kam mir ein eigenartiger Gedanke: vor einigen Stunden waren wir in "Mini-Bam", Teile davon sahen ähnlich aus, da es 150 Jahre unbewohnt war und sich zurzeit in Restauration befindet.
    Mit unwissendem Blick könnte man die sonst vom Gedanken an großes Leid und viele Toten dominierte Altstadt Bams genauso für wundervolle, alte, archäologisch wertvolle Ausgrabungsstätte halten, von denen die Welt nur positiv spricht.

    Ein pakistanischer Grenzbeamter erklärt uns, dass dies die gerechte Strafe Gottes war, weil die Bevölkerung vom rechten Weg abgewichen war. Die Stadt war bekannt für lasterhaftes Leben, trinken, kurz für vom Koran verbotenes Verhalten. In den Häusern wurden nach dem Beben Drogen gefunden, viele unverheiratete Paare wurden nackt im gemeinsamen Bett gefunden, Geld war ihr neuer Gott geworden, so wurden sie bestraft, wie einst Sodom und Gomorrha.
    Damit erklären sie auch, warum nur Bam betroffen war, das Zentrum der Gotteslästerung.
    Es erscheint wirklich eigenartig, dass in einer Gegend, die großteils aus Wüste besteht, Regionen in denen kein Mensch zu Schaden gekommen wäre, punktgenau die größte und blühendste Stadt ausgelöscht wurde. 4 km vor und nach dem Zentrum sieht man keine Spur von Zerstörung, als ob nichts passiert wäre.

    Wir verlassen die Stadt im schaurigen Licht der untergehenden sonne in ziemlich nachdenklicher und bedrückter Stimmung. Es mutet alles so unwirklich an, wenn man im klimatisierten, staubfreien Starex an den betroffenen Menschen, die ihr Dasein fristen in Zelten, für immer getrennt von ihren Liebsten, die beim Beben umgekommen sind, ohne grundlegende Dinge wie Strom, festes Dach überm Kopf, fließendes Wasser, vorbeirollt. Ich sah all diese entsetzlichen Dinge vorbei ziehen, verstand in der Theorie, was passiert war, hatte großes Mitgefühl mit den Überlebenden, aber wirklich spüren und erleben wie es ihnen geht, war aus meiner Position nicht möglich.

    Am Abend fanden wir bei einem Truckstopp mit lustigem Inhaber, französisch sprechendem Lkw-Fahrer, Hühnchen und Wasserpfeife Zerstreuung, es klingt vielleicht leichtfertig, aber auf einer Reise, bei der so viele eindrucksvolle Dinge in so kurzer zeit geschehen, sind die Gedanken und Gefühle leicht abgelenkt und auf Neues fokussiert. Trotzdem habe ich noch oft die Bilder der Zelte und Ruinen im Kopf.

    Am nächsten Tag kamen wir zur pakistanischen Grenze, an der wir zuerst herumgereicht wurden wie heiße Kohlen, beim Zoll warteten wir dann eine Ewigkeit, bis die Herrschaften vom Essen zurückkamen. der zuständige Beamte lief ständig weg, rauchte ruhig sitzend eine Verdauungszigarette, lief wieder weg, während unsere Papiere vor seinen Augen auf seinem Schreibtisch lagen.
    Plötzlich nahm ein freundlich aussehender, wohlgenährter Mann neben mir Platz, lächelte wohlwollend, drehte sich wieder weg und starrte Gedanken verloren in die Luft. Aus heiterem Himmel lud er uns zum Essen ein, er war der Supervisor der "eifrigen" Beamten dieser Zollabteilung.
    Wir speisten köstlichstes pakistanisches Essen im Beamtenzimmer, wurden mit guten und wirklich nützlichen Ratschlägen überhäuft, mit Adressen von Freunden zum Übernachten für den gesamten weiteren Weg ausgestatten und schlussendlich noch eingeladen, die erste Nacht dort zu verbringen.
    Unser Freund bleibt bis zum Abend bei uns, erklärt uns den sichersten Weg zum ziel und viele interessante Infos über Afghanistan - seinem Heimatland - und den feindlichen Taliban, seinen ehemaligen Englischlehrer, Hamid Karsei, dem jetzigen Präsidenten Afghanistans.

    Den Abend verbrachten wir wieder mit essen, tanzen, Karten spielen und Geschichten über erwischte Drogenschmuggler und der "Ausbeute". Gleich anschließend wurde uns zwar nicht ein Teil dieses konfiszierten Gutes angeboten, dafür Gleichwertiges, extra für die Gäste Herbeigeschafftes. Wir haben natürlich entrüstet abgelehnt, so gut kannten wir die Bräuche noch nicht und Vorsicht ist besser als Nachsicht.

    Durch die Wüste ging’s heute früh nach Quetta, am Straßenrand waren sogar Dromedare und Baby-Sanddünen!!

    In Quetta nahm uns gleich der Cousin des Zollbeamten unter seine Fittiche und arrangierte Abendessen, sicheren Parkplatz für unser Baby, Einkaufsmöglichkeiten im Armeeshoppingcenter (Hotel war im Militärviertel der Stadt, besser bewacht geht’s nicht!) der gute Mann plant uns gerade die sichere Route - mit Hotels, Raststopps, Köche, die das mitgegebene Essen zubereiten werden, Militärcheckposts, die uns erwarten und Sicherheitsfahrzeuge, die uns begleiten etc. Die Nacht verbringen wir nicht als zahlende Gäste im Hotel, sondern als Schützlinge des paschtunischen Hotelpächters, der im Sommer die Falkenjagd der arabischen Ölscheichs samt Gefolge hier im nordwestlichen Gebiet organisiert.

    Wir werden zwar nicht genau das konfliktreiche Gebiet um die Grenze zu Afghanistan, wo immer noch Taliban fast ungehindert ein und ausgehen passieren, aber unsere Gastgeber wetteifern um die besten und nützlichsten Dienste, die sie uns anbieten können. Immer unter Berufung auf ihr großes Herz und das vom Koran hochgehaltene Prinzip der Gastfreundschaft.

    Kennt jemand von euch einen Hotelbesitzer in Österreich, der unbekannte Ausländer nur durch Erzählungen von dem freundlichen Erlebnis mit seinem Cousin als persönliche Freunde und Gäste aufnimmt?
    Ich wäre erfreut, wenn es so warmherzige und freundliche Leute zu hause geben würde!!

    khoda hafez (tschüss)

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  • Iran - Teheran, Qom, Esfaham, Bam, Belutschistan

    april 04

    Salam aus Esfahan,

    Die letzen Tage scheinen wieder gespickt von den kleinen Geschenken des Lebens, von denen jeder ständig umgeben ist und nur noch mehr bekommt, je mehr er annimmt.

    In Teheran konnten wir nach dem liberalen Nasser aus Tabriz einen enthusiastischen Shah-Anhänger, der Nachtwächter an der Hotelrezeption war, kennen lernen, der es als den größten Fehler sah, den Amerikanern Lebewohl zusagen. Der Schah war für ihn (obwohl lange vor ihm gestorben) der einzig wirklich effiziente und wohlwollende Perser. die Mullahs sind für ihn die ungebildete religionsfanatische Emporkömmlinge, denen er nur mir Verachtung begegnen kann.

    Am Abend lud und einer genau dieser „ungebildeten“ Fundamentalisten zum Tee zu sich nach hause ein, ein erzkonservativer Moslem, der den Koran auswendig kennt und das Wort der Mullahs und Allahs nicht hinterfragt.
    Er hält die Koranprinzipien der Gastfreundschaft sehr hoch, bewirtete uns fürstlich, spendet einen großen Teil seines Geldes für Arme, hegt seinen Worten zufolge keinerlei rassistische Gedanken. Allah sagt, wer zu ihm findet wird belohnt, egal welcher Hautfarbe oder Nationalität,
    Er ehrt seine Frau als einzige Frau (..) er steht der amerikanischen Hass, Gewalt- und Konsumgesellschaft ablehnend gegenüber.

    Er war 4 Jahre in Amerika als Ingenieur bei der NAVY, und 7 Jahre in England, war immer bester seines Jahrganges bei seiner Ausbildung und weit herum gekommen. ein Foto zeigte ihn Seite an Seite mit Khamenei (Khomeini-Nachfolger) beim trauten Plausch. Er erzählt von seinem Erlebnis in Amerika, wo er mit seiner Frau, wie im Iran, am Freitag mit sämtlichen Goldklunkern ausgehen wollte (der Iran ist bis jetzt das sicherste Land, in einem Juweliergeschäft ließ uns ein offensichtlich sehr betuchter Moslem seine riesigen Goldmünzen minutenlang ohne großen Aufhebens bestaunen) und ein amerikanischer Freund ihn für dem Tod geweiht erklärte, denn mit dem Wert um den Hals nehmen es viele arme Amis auch in kauf, eventuell den Kopf oder die Hand mitnehmen zu müssen.

    Außerdem ist er zutiefst traurig, dass einer seiner Freunde im Krieg gegen den Irak seine höchste Bestimmung gefunden hat, (bei uns heißt das glaub ich "umgebracht wurde") - er aber nicht. Der Glaube ist das einzige wofür es sich zu sterben lohnt, sonst stirbt man sowieso eines natürlichen Todes, aber unbemerkt und ungerühmt; Er befürwortet die Todesstrafe für unbekehrbare homosexuelle (sonst stecken sie mit dieser Krankheit den Rest der Welt an, ich glaube so was überträgt man mit Tröpfcheninfektion :) ) bekräftigte den Bau einer Atombombe im Iran mit dem Argument: "wir müssen uns verteidigen, die Amerikaner haben auch eine" (ich stimme ihm in dieser Beziehung teilweise zu, die Aggression geht meist von den Amis aus, ich wäre aber eher dafür, dass sie ihre entsorgen, nicht dass alle andern jetzt auch zu bauen beginnen!), die 2000 nicht zu Wahl zugelassenen Kandidaten erklärte er sehr einleuchtend: "in der USA werden auch keine Kommunisten bei den Wahlen erlaubt" (dass plötzlich das verhasste Amerika als Vorbild und Rechtfertigung dient, scheint ihn nicht zu stören, auch nicht, dass Kommunisten in Europa schon aufgestellt werden) und schüttelte beim Abschied einer Frau (mir - gemäß der Tradition) nicht die Hände, weil dabei eine gewisse elektrische Ladung übertragen werden kann, die ihn eventuell nicht schlafen, sondern an die fremde Frau denken lässt.

    Am Weg nach Esfahan blieben wir in Qom stehen, wo wir den heiligen Schrein Mazrat-e-asumehs besichtigen und die angeblich köstlichen Spezialitäten, eine Mischung aus Pistazienbäckerei und Spekulatius Keksen kosten wollten. …das Karamell klebte ewig in den Zähnen.

    Ich musste beim Eingang einen Tschador ausleihen (Ganzkörperkondom aus schwarzem Stoff, um wirklich alle Körperteile unkenntlich zu machen). der Wächter am Eingang stupste mich und alle anderen unkeusch gekleideten Persierinnen solange mit seinem Staubwedel bis alles den Vorschriften entsprach (das Ding sieht echt aus wie ein überdimensionierter Staubwedel, eine Verbesserung gegen früher, als die Revolutionswächter mit Rasierklingen die freien Stellen der Haut im Vorbeigehen aufschnitten)

    Beim Ausgang fragten wir einen dieser ehrenamtlichen Diener des heiligen Schreins, ob er uns ein gutes Kebab Restaurant empfehlen könne. Er brachte uns kurzer hand selbst in das beste aller Kababis und lud uns nachher zum Tee in sein Haus. Er bezeichnete sich als sehr religiös, betrachtet aber alle Neuerungen und Vorschriften Khomeinis kritisch und betonte, dass er nicht alle Regeln befürworten muss um im Herzen trotzdem ein guter Moslem zu sein. Ein sehr sympathischer, lustiger und warmherziger Mann, Vater von 3 Kindern, eines studiert englisch und lernt ein bisschen deutsch.
    Sie brachte einen deutschen Spiegel-Artikel, der zu unserer Verwunderung ihren Angaben entsprechen als Propaganda gegen Schiiten bezeichnet werden kann. Unter anderem wird eine kleine Gruppe von Fanatikern, die sich zum Andenken an Imam Hussein selbst geißelt wird zum allgemeinen Bild schiitischer Gläubiger gemacht.
    Ich erinnere mich vage an eine Gruppe Christen in Spanien, die sich zu Ostern ans Kreuz nageln lassen… Welcher „normale“ – ich hasse dieses Wort – Christ macht so etwas?
    Die Tochter erklärte, dass Imam Khomeini dies untersagt hat und vorschlug, stattdessen am Gedenktag Blutspenden zu gehen. (Imam Khomeini entspricht Ayatollah Khomeini, als Imam wird jemand bezeichnet, den man selbst als persönlichen Führer seines Herzens wählt, Ayatollah heißt übersetzt "Geschenk Gottes" und bezeichnet Menschen, die sich selbst zum Führer machen aufgrund ihrer von Gott gegebenen Fähigkeiten)

    Die Frauen des Hauses zeigten mir, abgewandt von Martin, ihre persönlichen Fotoalben, wo sie mit offenen Haaren uns sehr westlicher Kleidung in manchmal ziemlich lasziven Posen abgebildet sind)

    Wir schliefen wieder am Weg im Auto und erreichten gestern Esfahan, wo wir den riesigen Imam Khomeini Platz (gibt’s in jedem Ort) und den Bazar entlang schlenderten. ein freundlicher hübscher junger Mann suchte höflich das Gespräch und zeigte uns die hintersten und v.a. obersten Winkel des Bazars, wo Nomadenteppiche vor dem Weiterverkauf repariert werden. Er führte uns in sein Geschäft und erzählt, dass er nomadische Wurzeln hat und seine Verwandten regelmäßig besucht und dort alle möglichen Arbeiten kauft, oft nach tagelangen Verhandlungen, da Nomaden eigentlich nur für den Eigengebrauch produzieren. Wenn wir möchten nimmt er uns morgen mit. Ich glaube ich hab mich wirklich verliebt, obwohl ich dachte, ich bin dagegen gefeit. In seinem Geschäft lag ein Teppich, der mein Innerstes ansprach. Teppiche waren für mich Staubfänger und bestenfalls Fußabstreifer. Nach einem "Spezialpreis für Studenten" war unser Auto um ein Gepäcksstück reicher.

    Ein wunderbarer älterer Geschichtelehrer führte uns durch Esfahan zu den versteckten Plätzen und erzählte viele interessante und lustige Geschichte zu den üblichen Daten.
    Ein Beispiel, wie moslemische Lebensregeln gemacht werden: vor 200 Jahren, im Krieg gegen Russland, verboten die Mullahs den Würfelzucker, der aus Russland geliefert wurde. Er sei unrein (wie Schweinefleisch) und dürfe darum nicht gegessen werden.
    Als sich die Beziehungen nach Ende des Krieges wieder verbesserten, gab es eine neue Regel: man habe entdeckt, dass der Zucker durch Tauchen in Tee gereinigt werden konnte und somit wieder als rein galt. Ein Glück für die alle Süßwaren liebenden Iraner.

    Jetzt nützen wir die kurze Regenzeit und schreiben unsere Geschichten auf, morgen geht’s weiter zu den Nomaden und nach Shiraz.

    khoda hafez (tschüss)

    bei yahoo gibt's wieder pics, password falls du gefragt wirst ist: acchigom

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